Bewirtungsaufwendungen

Bewirtungsaufwendungen sind in gewissem Ausmaß nichtabzugsfähige Betriebsausgaben. Sie sind, genauer gesagt, nur zu 70 % abzugsfähig, wenn sie nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als angemessen anzusehen sind, deren Höhe und betriebliche Veranlassung nachgewiesen ist und sie aus geschäftlichem Anlass erfolgen (§ 4 V 1 Nr. 2 S. 1 EStG). Weiterhin ist wichtig, das Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie die Höhe der Aufwendungen schriftlich nachgewiesen werden können (§ 4 V 1 Nr. 2 S. 2 EStG).

Außerdem müssen die Bewirtungsaufwendungen einzeln und getrennt von den sonstigen Betriebsaufgaben aufgezeichnet werden (§ 4 VII 1 EStG).

Beispiel:

Der Steuerpflichtige Fritz aus Hamburg lädt drei seiner besten Kunden zum Essen ein. Sie gehen in ein 5-Sterne Hotel an der Außenalster und “lassen es richtig krachen”, wie er später einem Vertrauten sagt. Die Rechnung weist einen Betrag von 800 € für die vier Personen insgesamt aus. Die Buchhaltung des Fritz weist die Bewirtungsaufwendungen einzeln aus.

An der Angemessenheit der Bewirtungsaufwendungen ist im vorliegenden Fall nicht zu zweifeln. Weil Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie die Höhe der Aufwendungen nachgewiesen werden können (und außerdem die Bewirtungsaufwendungen einzeln und getrennt von den sonstigen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden), sind 70 % der Aufwendungen abzugsfähig. Im Umkehrschluss müssen also 30 % von 800 €, also 240 €, außerbilanziell wieder hinzugerechnet werden.

Weiter ist zu prüfen, ob die Bewirtungsaufwendungen nicht bereits zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensführung im Sinne des § 12 Nr. 1 EStG gehören (R 4.10 I 2 EStR).

Beispiel:

Der Steuerpflichtige Fritz aus Hamburg lädt drei seiner besten Kunden zum Essen ein. Sie gehen in ein 5-Sterne Hotel an der Außenalster und “lassen es richtig krachen”, wie er später einem Vertrauten sagt. Die Rechnung weist einen Betrag von 800 € für die vier Personen insgesamt aus. Die Buchhaltung des Fritz bucht die Bewirtungsaufwendungen auf dem Konto “Allgemeine Kosten”. 

An der Angemessenheit der Bewirtungsaufwendungen ist im vorliegenden Fall nicht zu zweifeln. Es werden zwar Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie die Höhe der Aufwendungen nachgewiesen, allerdings fehlt es daran, dass die Bewirtungsaufwendungen einzeln und getrennt von den sonstigen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden. Deshalb sind sie zu 100 % hinzuzurechnen, also in Höhe der vollen 800 €.

Beispiel:

Der Steuerpflichtige Fritz aus Hamburg lädt drei seiner besten Kunden zum Essen ein. Sie gehen in ein 5-Sterne Hotel an der Außenalster und “lassen es richtig krachen”, wie er später einem Vertrauten sagt. Die Rechnung weist einen Betrag von 800 € für die vier Personen insgesamt aus. Die Buchhaltung des Fritz weist die Bewirtungsaufwendungen einzeln aus. Nachdem man das Essen zu sich genommen hat, gehen die vier Herren noch in ein einschlägiges Bordell auf der Reeperbahn. Die Rechnung aus diesem Etablissement weist einen Betrag von 1.500 € aus, ausgewiesen unter dem Posten “Getränke”.

Zum Restaurantbesuch vergleiche die Überlegungen von oben.

Der Abstecher ins Bordell dürfte als nicht angemessen nach der allgemeinen Verkehrsauffassung anzusehen sein. Er muss deshalb in voller Höhe wieder hinzugerechnet werden, also in Höhe von 1.500 €.

Bei Bewirtungsaufwendungen stellt sich die Frage, ähnlich wie bei Geschenkaufwendungen, was mit der (mit den Aufwendungen zusammenhängenden) Umsatzsteuer geschieht. 

Wenn die Bewirtungsaufwendungen nicht angemessen sind, so ist die Umsatzsteuer, genau wie der Nettobetrag auch, in voller Höhe wieder hinzuzurechnen (§ 15 Ia S. 1 UStG, § 10 Nr. 2 KStG). Wenn die Bewirtungsaufwendungen hingegen angemessen sind, so ist beim nichtabzugsfähigen Teil (also den 30 %) umsatzsteuerlich nichts zu korrigieren. Beim abzugsfähigen Teil hingegen (also den 70 %) ist die Umsatzsteuer nicht zu korrigieren.

Beispiel:

Fritz, Gemüsehändler aus München, lädt seine Geschäftspartner zu einem üppigen  Geschäftsessen ein. Der Nettobetrag liegt bei 500 €.

70 % des Betrags von 500 €, also 350 €, sind abzugsfähig. Einkommensteuerlich und umsatzsteuerlich ist hier nichts zu korrigieren. Die nicht abzugsfähigen 30 % sind ebenfalls umsatzsteuerrechtlich nicht zu korrigieren (§ 15 Ia S. 2 UStG). 

Beispiel:

Fritz, Gemüsehändler aus München, lädt seine Geschäftspartner zu einem üppigen  Geschäftsessen ein. Der Nettobetrag liegt bei 500 € und ist als nicht angemessen zu beurteilen.

Bei einer nicht angemessenen Bewirtungsaufwendung ist die Umsatzsteuer in voller Höhe wieder hinzuzurechnen, hier also in Höhe von 0,19*500 = 95 €. 

SEE ALLAdd a note
YOU
Add your Comment
 

Über Uns

Wir bieten seit 1994 Unterricht für BWL, VWL, Statistik und Mathematik. Mit uns bereiten Sie sich optimal auf Ihre Prüfung vor - kurz, knapp und auf den Punkt gebracht. Sie haben bei uns die Möglichkeit der Gruppenkurse und des Einzelunterrichts, der Präsenzkurse und der Skriptsammlungen.

Wer ist Online?

Im Moment ist niemand online.