6.2 Eigenkapital nach teilweiser Ergebnisverwendung

Beispiel:

Die X-AG aus München weist zum 31.12.2021 die folgende Passivseite in ihrer Bilanz aus.

gezeichnetes Kapital 5.000.000 €

Kapitalrücklage 200.000 €

Gewinnrücklagen

gesetzliche Rücklage 80.000 €

andere Gewinnrücklagen 40.000 €

Gewinnvortrag aus dem Vorjahr 20.000 €

Jahresüberschuss 150.000 €

Es soll eine Thesaurierung in maximaler Höhe erfolgen.

Im Eigenkapital nach teilweiser Ergebnisverwendung wird die gesetzliche Rücklage dotiert,  d.h. berechnet und ihr zugeführt, weiterhin wird entschieden, welcher Betrag in den anderen Gewinnrücklagen zurückbehalten wird. 

LAMBERT-METHODE:

Der Begriff “andere Gewinnrücklagen” ist an dieser Stelle einigermaßen missverständlich. Er meint hier nicht etwa alle anderen Gewinnrücklagen nach Vorname der gesetzlichen Rücklage, sondern lediglich die sog. “anderen Gewinnrücklagen” als vierten Punkt der Gewinnrücklagen, nämlich neben der gesetzlichen Rücklage, der Rücklage für Anteile an herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen und der satzungsmäßigen Rücklage.

Das Ergebnis der teilweisen Ergebnisverwendung heißt Bilanzgewinn.

Ausschließlich beim Eigenkapital nach teilweiser Ergebnisverwendung ergibt sich das Wort “Bilanzgewinn”. Sollte dieses also auftauchen, so weiß man im Umkehrschluss, dass es sich um das eine Gebiet teilweise Ergebnisverwendung handeln muss und nicht etwa Eigenkapital vor der Ergebnisverwendung oder nach vollständiger Ergebnisverwendung.

Man berechnet den Bilanzgewinn bzw. den Bilanzverlust durch die Formel

 Jahresüberschuss bzw.  Jahresfehlbetrag

zzgl. Gewinnvortrag aus dem Vorjahr  bzw. 

abzgl. Verlustvortrag aus dem Vorjahr

zzgl. Entnahme aus der Kapitalrücklage

abzgl. Einstellung in die gesetzliche Rücklage

zzgl. Entnahme aus der gesetzlichen Rücklage

abzgl. Einstellung in die anderen Gewinnrücklagen

zzgl. Entnahme aus den anderen Gewinnrücklagen

Bilanzgewinn bzw. Bilanzverlust

In der vorliegenden Aufgabenstellung muss also zunächst die gesetzliche Rücklage kalkuliert werden. Zunächst ist es so, dass Kapitalrücklage + gesetzliche Rücklage = 200.000 + 80.000 = 280.000 € betragen und damit die Summe kleiner ist als 10 % des gezeichneten Kapitals, nämlich kleiner als 0,1*5.000.000 = 500.000 €. Die maximal zulässige Dotierung in die gesetzliche Rücklage beträgt also in diesem Jahr 500.000 – 280.000 = 220.000 €. Nach der Formel des § 150 II AktG ist 0,05*( Jahresüberschuss abzgl. Verlustvortrag) = 0,05*(150.000 – 0) = 7.500 € nun in die gesetzliche Rücklage zu notieren, denn 7.500 ist kleiner als 280.000 Euro.

Danach wird die andere Gewinnrücklage kalkuliert. Der § 58 II AktG sieht eine Obergrenze für die Zuführung zu anderen Gewinnrücklage vor, nämlich in Höhe von

 Jahresüberschuss

– Verlustvortrag

abzgl. Dotierung gesetzliche Rücklage

=  Bemessungsgrundlage II.

Wir nennen dies hier “Bemessungsgrundlage II”, weil wir es im Kapitel über die gesetzliche Rücklage bereits so genannt hatten. Das Gesetz sieht diesen Namen natürlich nicht vor. Von dieser Bemessungsgrundlage II ist nun maximalerweise (!) 50 % in die anderen Gewinnrücklagen dotierbar. 

In der vorliegenden Aufgabenstellung bedeutet dies, dass es zu einer Dotierung in folgender Höhe in die anderen Gewinnrücklagen kommt:

 Jahresüberschuss 150.000 €

– Verlustvortrag 0 €

abzgl. Dotierung gesetzliche Rücklage -7.500 €

=  Bemessungsgrundlage II. 142.500 €.

Wegen der in der Aufgabenstellung geforderten maximalen Dotierung werden damit  50 %, also 0,5*142.500 = 71.250 €, in den anderen Gewinnrücklagen einbehalten.

Der Bilanzgewinn berechnet sich damit als

Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag 150.000 €

zzgl. Gewinnvortrag aus dem Vorjahr  bzw. + 20.000 €

abzgl. Verlustvortrag aus dem Vorjahr – 0 €

zzgl. Entnahme aus der Kapitalrücklage + 0 €

abzgl. Einstellung in die gesetzliche Rücklage – 7.250 €

zzgl. Entnahme aus der gesetzlichen Rücklage + 0 €

abzgl. Einstellung in die anderen Gewinnrücklagen 71.250 €

zzgl. Entnahme aus den anderen Gewinnrücklagen

=  Bilanzgewinn bzw. Bilanzverlust 91.500 €

Der Bilanzgewinn in Höhe von 91.500 € gibt jenen Betrag an, der an die Aktionäre maximal ausgeschüttet werden könnte. Hierüber muss nach der Berechnung des Bilanzgewinns noch ein Gewinnverwendungsbeschluss erfolgen.

Die Bilanz sieht dann folgendermaßen aus:

gezeichnetes Kapital 5000.000 €

Kapitalrücklage 200.000 €

Gewinnrücklagen

gesetzliche Rücklage 87.500 €

andere Gewinnrücklagen 111.250 €

Bilanzgewinn 91.500 €

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