4. Finanzanlagen

In Klausuren zum Finanzanlagevermögen wird stets nach Wertpapieren gefragt. Um zum Anlagevermögen und nicht zum Umlaufvermögen zu gehören, ist es wichtig, dass die Wertpapiere dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen sollen (§ 247 II HGB). Es kommt also hierbei nicht auf die Dauer der Zurverfügungstellung an, sondern auf die  Zweckbestimmung. 

Den Ansatz, Ausweis und die Bewertung von Wertpapieren erläutern wir an einem  konkreten Beispiel.

Beispiel:

Die X-AG kauft 100 Aktien der Y-AG  zum Preis von jeweils 20 €.  Hinzu kommen Nebenkosten von 1 %. Die Aktien sollen aus Gründen der Beteiligung gehalten werden.

Zum Ansatz der Wertpapiere ist zu sagen, dass die abstrakte Aktivierungsfähigkeit gegeben ist, mit anderen Worten Vermögensgegenstände vorliegen,  weil die Wertpapiere selbständig bewertbar, selbstständig verwertbar sind und außerdem einen konkreten Nutzen stiften. Ein Aktivierungsverbot liegt nicht vor, ein Aktivierungswahlrecht ist nicht vorhanden. 

LAMBERT-METHODE:

Es ist zwar kein Ansatzwahlrecht vorhanden, aber ein Bewertungswahlrecht, wie wir später noch sehen werden, nach § 253 III 6 HGB.

Es liegt, mit anderen Worten, eine konkrete Aktivierungsfähigkeit und also ein Aktivierungsgebot, eine Aktivierungspflicht, vor. Der Ansatz erfolgt nach § 247 II HGB im Anlagevermögen, denn die Wertpapiere sollen dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen.

Der Ausweis erfolgt im Finanzanlagevermögen nach § 266 II A II HGB.

Die Bewertung der Wertpapiere zerfällt in 

– Erstbewertung und 

– Folgebewertung.

Die Erstbewertung erfolgt nach § 253 I 1 HGB zu Anschaffungskosten. Diese liegen nach § 255 I HGB bei  

Anschaffungskosten =  Anschaffungspreis – Anschaffungspreisminderungen + Anschaffungsnebenkosten +  nachträgliche Anschaffungskosten

 = 100*20 + 0,01*100*20 = 2.000 + 20 = 2.020 €. 

Beispiel: 

Die X-AG kauft 100 Aktien der Y-AG  zum Preis von jeweils 20 €. Hinzu kommen Nebenkosten von 1 %. Sie kauft die Aktien der Y-AG aus Beteiligungsgründen. Am Jahresende sind die Aktien lediglich noch 18 € wert. Zur Bilanzerstellung am 31. März des Folgejahres hat sich der Aktienkurs auf 23 € pro Stück erholt.

Es ist im vorliegenden Beispiel die Folgebewertung zu kalkulieren. Da die Aktien zum Anlagevermögen gehören, weil sie dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen (§ 247 II HGB), ist das gemilderte Niederstwertprinzip des § 253 III 5, 6 HGB  anzuwenden. Dies bedeutet, dass

– bei einer nur vorübergehenden Wertminderung eine außerplanmäßige Abschreibung durchgeführt werden darf (§ 253 III 6 HGB) und

– bei einer dauernden Wertminderung eine außerplanmäßige Abschreibung durchgeführt werden muss (§ 253 III 5 HGB).

Im vorliegenden Beispiel handelt sich um lediglich eine vorübergehende Wertminderung auf 18*1,01 = 18,18 €, denn der Aktienkurs erholt sich im Nachhinein wieder auf 23 € und steigt damit sogar über die historischen Anschaffungskosten. Wir dürfen folglich eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 2,02 € durchführen, damit der Buchwert der Aktien beim beizulegenden Wert von 18*1,01 = 18,18 € liegt:

außerplanmäßige Abschreibung 2,02 € an  Wertpapiere des Umlaufvermögens 2,02 €. 

Wenn man sich möglichst arm rechnen muss in der Klausur, wird diese Vorgehensweise also anzuwenden sein.

Im folgenden Geschäftsjahr wird, sofern der Wert der Wertpapiere bei 23 € bleibt, die außerplanmäßige Abschreibungen im Rahmen einer Wertaufholung (= Zuschreibung) wieder rückgängig gemacht werden, § 253 V 1 HGB. Dabei dürfen allerdings die historischen Anschaffungskosten von 20,20 € nicht überschritten werden wegen des Höchstwertprinzip des § 253 I 1 HGB. Man wird daher im Folgejahr buchen

Wertpapiere 2,02 € an sonstiger betrieblicher Ertrag 2,02 €.

Beispiel: 

Die X-AG kauft 100 Aktien der Y-AG  zum Preis von jeweils 20 €. Hinzu kommen Nebenkosten von 1 %. Sie kauft die Aktien der Y-AG zur Beteiligung. Am Jahresende sind die Aktien lediglich noch 18 € wert. Zur Bilanzerstellung am 31. März des Folgejahres liegt der Aktienkurs bei lediglich 18,50 pro Stück.

Wir sehen, dass (bzgl. des Aktienkurses, also vorbehaltlich der Nebenkosten)

– eine dauernde Wertminderung von 20 – 18,50 = 1,50 € vorliegt und

– eine zusätzliche vorübergehende Wertminderung in Höhe von 18,50 – 18 = 0,50 €.

Man muss also mindestens auf 18,50*1,01 = 18,69 € außerplanmäßig abschreiben wegen der dauernden Wertminderung (§ 253 III 5 HGB) und man dürfte noch zusätzlich 18,69 – 18*1,01 = 0,51 € außerplanmäßig abschreiben (§ 253 III 6 HGB).

 

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

SEE ALLAdd a note
YOU
Add your Comment
 

Über Uns

Wir bieten seit 1994 Unterricht für BWL, VWL, Statistik und Mathematik. Mit uns bereiten Sie sich optimal auf Ihre Prüfung vor - kurz, knapp und auf den Punkt gebracht. Sie haben bei uns die Möglichkeit der Gruppenkurse und des Einzelunterrichts, der Präsenzkurse und der Skriptsammlungen.

Wer ist Online?

Im Moment ist niemand online.