Forderungen aus Fremdwährungsgeschäften

Die Bewertung von Fremdwährungsgeschäften ist geregelt in § 256a HGB.

LAMBERT-KOCHREZEPT FREMDWÄHRUNGSGESCHÄFTE:

Hier geht man folgendermaßen vor und betrachtet das Zusammenspiel und die mögliche Konkurrenz vierer unterschiedlicher Vorschriften:

  1. Realisationsprinzip, § 252 I Nr. 4 HGB,
  2. Höchstwertprinzip, § 253 I 1 HGB,
  3. Umrechnung zum  Wechselkurs am Bilanzstichtag, § 256 S. 1 HGB
  4. Bei Konflikten zwischen (1. und 2) auf der einen Seite und 3. auf der anderen Seite entscheidet dieser vierte Punkt folgendermaßen: bei einem kurzfristigen Geschäft gewinnt 3., d.h. die Umrechnung erfolgt zum Stichtagskurs, bei einem langfristigen Geschäft hingegen gewinnen 1. und 2., d.h. die Umrechnung erfolgt nicht zum Stichtagskurs.

Beispiel:

Die X-AG aus München liefert am 1.11.2021 der US-amerikanischen Unternehmung Donald Ltd. aus Washington, DC edle Haarteile für einen Preis von 8.000 $. Am 1.11.2021 liege der Wechselkurs bei 1,1 $ pro €, am Bilanzstichtag, dem 31.12 2021 hingegen, betrage der Wechselkurs 1,05 $ pro €.

Wie würde man nun nach den Prinzipien 1.-4. vorgehen? Zunächst ist festzustellen, dass die Forderungen der X-AG aus München gegenüber der Donald Ltd. aus Washington DC am 1.11.2021 bei 

Forderung_1.11.2021 = 8.000 $/(1,1 $/€) = 7.272,73 € läge, 

am Bilanzstichtag, dem 31.12 2011 hingegen, bei 

Forderung_31.12.2021 = 8.000 $/(1,05 $/€) = 7.619,05 €.  

Die Forderung würde also allein durch eine Bewegung des Wechselkurses ansteigen.

LAMBERT-METHODE:

Ist dies in Ordnung so? Was sagt ihnen ihr Bauchgefühl? Ist es in Ordnung, dass der Wert einer Forderung allein deshalb ansteigt, weil der Wechselkurs sich verschoben hat? Die Antwort wird sein, dass für kurzfristige Geschäfte es in Ordnung ist ist, zum höheren Wert die Forderung zu bewerten, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass in Euro gemessen ein höherer Betrag reinfließt. Bei langfristigen Geschäften hingegen wird es nicht in Ordnung sein, denn die bloße Wechselkursbewegung wird nicht dafür sorgen, dass ein höherer Eurobetrag in die Kassen des Unternehmens fließt.

Und genauso kommt es hier. 1. Das Realisationsprinzip besagt, dass die Forderung zu 7.272,73 €  zu bewerten ist, denn ein Anstieg auf 7.619,05 € wäre ein Verstoß gegen das  Realisationsprinzip. 2. Auch das Höchstwertprinzip sorgt für eine Bewertung zu 7.273,73 €,  denn die Forderung ist höchstens zu ihren Anschaffungskosten in Höhe von 7.273,73 €  zu bewerten und nicht darüber, also nicht zu 7.619,95 €. 3. Die Bilanzierung zum Stichtagskurs hingegen verlangt, dass die Forderung zu 7.619,95 €  zu bewerten ist. 4. Es liegt also ein Konflikt zwischen 1. und 2. auf der einen Seite und 3. auf der anderen Seite vor. Der Punkt 4. löst diesen Konflikt, indem er dem Punkt 3 Recht gibt, denn es liegt ein kurzfristiges Geschäft (Laufzeit unterhalb eines Jahres) vor. 

Die Bewertung zum Bilanzstichtagskurs „gewinnt“ deshalb.

Die Buchungssätze lauten folglich

am 1.11.2021

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 7.273,73 €

an Umsatzerlöse 7.273,73 €

am 31.12.2021

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 345,32 €

an Erträge aus der Währungsumrechnung 345,32 €.

Der Ertrag aus der Währungsumrechnung ist zu buchen wegen § 277 V 2 HGB.

Beispiel:

Die X-AG aus München leiht am 1.11.2021 der US-amerikanischen Unternehmung Donald Ltd. aus Washington, DC einen Betrag in Höhe von 8.000 $ mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Am 1.11.2021 liege der Wechselkurs bei 1,1 $ pro €, am Bilanzstichtag, dem 31.12. 2021 hingegen, betrage der Wechselkurs 1,05 $ pro €.

Die Verbindlichkeit hat am 1.11.2011, wie oben errechnet, einen Wert in Höhe von 7.272,73 €, am 31.12.2021 hingehen, dem Bilanzstichtag, liegt die Forderung bei 7.619,05 €.  

Wie ist hier die Vorgehensweise des § 256a HGB? 1., also das Realisationsprinzip, würde die Förderung aus dem Kreditgeschäft zu 7.272,73 € buchen, genauso 2., das Höchstwertprinzip. 3., also die Bilanzierung zum Bilanzstichtag, sähe die Forderung hingegen bei einem Wert von 7.619,05 €. 4. Es kommt also wieder zu einem Konflikt zwischen 1. und 2. auf der einen Seite und 3. auf der anderen Seite. Dieser wird hier dadurch gelöst, dass ein langfristiges Kreditgeschäft vorliegt und also 1. und 2. gewinnen. 

Die Forderung aus dem Kreditgeschäft wird folglich zu 7.272,73 € bewertet. 

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