2.1. Geschäfts- oder Firmenwert

Der Geschäfts- oder Firmenwert (= derivativer Goodwill) ergibt sich in der Situation, die in § 246 I 4 HGB dargestellt ist. 

Wir erklären Ansatz, Ausweis und Bewertung des derivativen Goodwills an einem 

Beispiel:

Die X-AG kauft am 5.1.2021 sämtliche Anteile an der Y-AG zu einem Preis von 15.000.000 €. Die Y-AG hat Vermögensgegenstände in ihrer Bilanz stehen in Höhe von 8.000.000 Euro, wobei eine Unterbewertung beim Anlagevermögen in Höhe von 2.000.000 EUR und beim Umlaufvermögen in Höhe von 1.000.000 EUR zu verzeichnen ist. Die Schulden der Y-AG betragen 3.000.000 EUR. 

Wie hoch ist der derivative Geschäfts oder Firmenwert am 31.12.2021?

Zunächst zum Ansatz. Es handelt sich beim derivativen Geschäfts- oder Firmenwert nicht etwa um einen Vermögensgegenstand, weil die drei Kriterien 

– selbständige Bewertbarkeit, 

– selbständige Verwertbarkeit und 

– konkreter Nutzen

nicht sämtlich gegeben sind. Der § 246 I 1 HGB  ist daher hier nicht anwendbar. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber mit dem § 246 I 4 HGB eine Vorschrift geschaffen, die dazu führt, dass der derivative Goodwill zwar kein Vermögensgegenstand ist, aber wie (nicht als)  ein solcher behandelt wird. Der Posten ist Teil des Anlagevermögens, weil er dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen soll (§ 247 II HGB).

Der Ausweis findet statt unter “Geschäfts- oder Firmenwert”, § 266 II A I 3 HGB. 

Die Bewertung zerfällt wie üblich in

– Erstbewertung und in

– Folgebewertung.

Um die Erstbewertung zu ermitteln, rechnen wir mit der Formel

derivativer Geschäfts- oder Firmenwert = Kaufpreis abzgl. Zeitwert des Eigenkapitals 

= Kaufpreis abzgl. (Zeitwert der Vermögensgegenstände abzgl. Zeitwert der Schulden) 

= Kaufpreis abzgl. ((Buchwert der Vermögensgegenstände zzgl. stille Reserven) abzgl. Zeitwert der Schulden) 

= 15.000.000 – ((8.000.000 + 2.000.000 + 1.000.000 )- 3.000.000 )

= 15.000.000 – (11.000.000 – 3.000.000) 

= 15.000.000 – 8.000.000 

= 7.000.000 €. 

Die X-AG kauft also eine Tochterunternehmung für 15.000.000 €, obwohl das Eigenkapital dieser Tochter lediglich 8.000.000 € wert ist. Diese Zuvielzahlung nennt man derivativen Goodwill.  

Zu Folgebewertung ist zu sagen, dass der Goodwill planmäßig abgeschrieben werden muss, weil er als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand gilt (§ 246 I 4 HGB). Wir unterscheiden im Handelsrecht nach HGB zwei unterschiedliche Fälle:

– die Nutzungsdauer des Goodwills ist bekannt und

– die Nutzungsdauer des Goodwills ist unbekannt.

Wenn die Nutzungsdauer des Goodwills bekannt ist, so wird diese als Abschreibungsdauer angewendet (§ 253 III 1, 2 HGB). Sollte die Nutzungsdauer unbekannt sein, so wird fiktiv eine Nutzungsdauer von zehn Jahren unterstellt (§ 253 III 4 HGB). Im vorliegenden Beispiel ist keine Nutzungsdauer erwähnt, so dass hier ein fiktiver Zeitraum für die Vornahme der planmäßigen Abschreibungen von zehn Jahren anzunehmen ist. Wir rechnen daher

planmäßige Abschreibung =  Anschaffungskosten /  Nutzungsdauer = 7.000.000 / 10 = 700.000 €. 

Auch eine außerplanmäßige Abschreibung könnte den Goodwill treffen.In diesem Fall allerdings ist es wichtig zu wissen, dass im Fall der des späteren Wegfalls des Grundes für die außerplanmäßige Abschreibung keine Zuschreibung vorgenommen werden darf (§ 253 V 2 HGB).

 

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