Geschenkaufwendungen

Geschenkaufwendungen sind nichtabzugsfähige Betriebsausgaben, sofern (= wenn) sie einen Nettobetrag von 35 € übersteigen und der Beschenkte ein Nichtarbeitnehmer des Steuerpflichtigen ist (§ 4 V 1 Nr. 1 EStG). 

Beispiel:

Der Einzelhändler Fritz aus Bochum schenkt seinem langjährigen Kunden Waldemar eine Flasche Wein, die ihn selbst im Einkauf 80 € gekostet hat.

Der Nettobetrag liegt weit oberhalb der Freigrenze von 35 €. Der Beschenkte ist nicht Arbeitnehmer des Steuerpflichtigen Fritz aus Bochum. Die Geschenkaufwendungen sind zwar Betriebsausgaben, allerdings nichtabzugsfähige Betriebsausgaben. Sie müssen daher außerbilanziell hinzugerechnet werden.

Beispiel:

Der Einzelhändler Fritz aus Bochum schenkt seinem langjährigen Kunden Waldemar eine Flasche Wein, die ihn selbst im Einkauf 40 € gekostet hat.

Diesmal liegen die Anschaffungskosten bei 40/1,19 = 33,61 €, die Freigrenze von 35 € ist daher unterschritten und die Geschenkaufwendungen des Einzelhändlers Fritz aus Bochum sind Betriebsausgaben und außerdem abzugsfähige Betriebsausgaben. Sie werden nicht  außerbilanziell hinzugerechnet.

LAMBERT-METHODE:

Man unterscheidet eine Freigrenze und einen Freibetrag durch die Wörter, die sie beschreiben. Ein Freibetrag wird durch das Wort “soweit” ausgedrückt, eine Freigrenze hingegen durch das Wort “sofern” bzw. das Wort “wenn”. Im § 4 V 1 Nr. 1 S. 2 EStG steht ein “wenn”, deshalb handelt es sich bei dem Betrag von 35 € um eine Freigrenze.

Weiterhin ist wichtig, dass der Betrag von 35 € pro Wirtschaftsjahr und pro Beschenktem gilt. 

Beispiel:

Der Einzelhändler Fritz aus Bochum schenkt seinem langjährigen Kunden Waldemar am 1. Februar eine Flasche Wein, die ihn im Einkauf 30 € gekostet hat. Am 1. Mai desselben Jahres schenkt Fritz dem Waldemar eine zweite Flasche Wein, welche diesmal 20 € kostet. 

Beide Flaschen liegen jeweils unterhalb der Freigrenze von 35 €. Allerdings ist die Summe der beiden Geschenke netto bei (30 + 20)/1,19 = 42,02 €, was die Freigrenze von 35 € übersteigt. Dies führt dazu, dass insgesamt die beiden Geschenke nicht als abzugsfähige Betriebsausgabe anzusehen sind.

Weiterhin ist wichtig, dass die Geschenkaufwendungen einzeln und gesondert von den restlichen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden (§ 4 VII 1 EStG). Sollte dies nicht der Fall sein, so müssen die Geschenkaufwendungen komplett außerbilanziell hinzugerechnet werden, selbst wenn sie die Freigrenze von 35 € unterschreiben.

Beispiel: 

Der Einzelhändler Fritz aus Bochum schenkt seinem langjährigen Kunden Waldemar eine Flasche Wein, die ihn selbst im Einkauf 30 € gekostet hat. Er weist diese 30 € auf dem Konto „Allgemeine Kosten“ aus. 

Da die Geschenkaufwendungen nicht einzeln und gesondert von den restlichen Betriebsausgaben aufgezeichnet wurden, kommt ein Abzug komplett nicht in Betracht (§ 4 VII 1 EStG). Es muss eine außerbilanzielle Hinzurechnung von 30 € erfolgen.

Bei der Abzugsfähigkeit bzw. nicht Abzugsfähigkeit von Geschenken stellt sich die Frage, was mit der hiermit verbundenen Umsatzsteuer geschieht. Deshalb hier die folgende Übersicht:

– der Nettobetrag liegt höchstens bei 35 €:

— einkommensteuerlich keine Korrektur

— umsatzsteuerlich keine Korrektur

– der Nettobetrag ist größer als 35 €

— einkommensteuerlich eine Korrektur des Nettobetrags

— umsatzsteuerlich eine Korrektur der Umsatzsteuer (§ 15 Ia S. 1 UStG, § 10 Nr. 2 KStG).

Beispiel:

Der Gemüsehändler Fritz aus Wanne-Eickel schenkt einem langjährigen Kunden eine Uhr für einen Nettobetrag von 34 €.

Wie ist einkommensteuerlich und umsatzsteuerlich zu verfahren?

Einkommensteuerlich ist nichts hinzuzurechnen, denn die Freigrenze von 35 € ist nicht überschritten. Auch umsatzsteuerlich ist keine Korrektur vonnöten.

Beispiel:

Der Gemüsehändler Fritz aus Wanne-Eickel schenkt einem langjährigen Kunden eine teure Uhr für einen Nettobetrag von 150 €.

Wie ist einkommensteuerlich und umsatzsteuerlich zu verfahren?

Einkommensteuerlich ist der gesamte Nettobetrag der Uhr hinzuzurechnen, denn die Freigrenze von 35 € ist überschritten. Man rechnet deshalb 150 € hinzu. Umsatzsteuerlich muss 0,19*150 = 28,50 € hinzugerechnet werden.

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