Hinzurechnung nach § 8 Nr. 5 GewStG

In § 8 Nr. 5 GewStG  geht es darum, dass Kürzungen an anderer Stelle (nämlich im Einkommensteuergesetz bzw. bei der Körperschaftsteuer), die gemacht worden, um dort eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, in der Gewerbesteuer rückgängig gemacht werden. 

LAMBERT-METHODE:

Es geht darum, dass eine Freistellung von der Steuer, und sei sie auch nur teilweise, nicht doppelt gewährt werden soll, also nicht 

– bei der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer bzw. 

– bei der Einkommensteuer und der Gewerbesteuer.

Deshalb erfolgt eine gewerbesteuerliche Hinzurechnung und damit keine doppelte Freistellung von der Besteuerung gewisser Einkünfte.

Wichtig bei der Anwendung des § 8 Nr. 5 GewStG ist nun allerdings, dass die Beteiligungsquote echt kleiner sein muss als 15% (§ 8 Nr. 5 GewStG iVm § 9 Nr. 2a GewStG). Dies führt bei Kapitalgesellschaften zu einer oft großen Verwirrung in der Prüfung, denn es ist gleichzeitig 

– das mögliche Dividendenprivileg bei der Körperschaftsteuer und 

– die mögliche Hinzurechnung bei der Gewerbesteuer 

zu betrachten. 

Deshalb folgende

LAMBERTSCHE ÜBERSICHT:

– 0 < Beteiligungsquote < 10 %: 

das Dividendenprivileg in der Körperschaftsteuer gilt nicht: Bei der Gewerbesteuer kommt es zwar formal zu einer Hinzurechnung, allerdings zu einer Hinzurechnung von 0 €.

– 10 % kleiner oder gleich Beteiligungsquote < 15 %: 

das Dividendenprivileg in der Körperschaftsteuer gilt. Der Teil der Dividende (nämlich 95 %), der bei der Körperschaftsteuer frei ist, wird bei der Gewerbesteuer wieder hinzugerechnet.

– Beteiligungsquote mindestens 15%:  

das Dividendenprivileg in der Körperschaftsteuer gilt. Die in der Körperschaftsteuer freigestellte Dividende wird allerdings bei der Gewerbesteuer nicht wieder hinzugerechnet. Es kommt insoweit zu einer doppelten Freistellung, nämlich bei der Körperschaftsteuer als auch bei der Gewerbesteuer.

Beispiel:

Die X-AG aus Berlin ist mit 8 % an der Y-AG aus Bochum beteiligt und erhält im Jahr 2021 aus dieser Beteiligung eine Dividende in Höhe von 1.000 €. Der Jahresüberschuss der X-AG beträgt 10.000 €.

Körperschaftsteuerlich wird die Dividende Nicht wieder abgezogen, das dividendenprivileg gilt nicht (§ 8b IV 1 KStG). Der Jahresüberschuss ist also gleich dem zu versteuernden Einkommen von 10000 €.

Gewerbesteuerlich gibt es nichts hinzuzurechnen nach § 8 Nr. 5 GewStG. 

Beispiel:

Die X-AG aus Berlin ist mit 12 % an der Y-AG aus Bochum beteiligt und erhält im Jahr 2021 aus dieser Beteiligung eine Dividende in Höhe von 1.000 €. Der Jahresüberschuss der X-AG beträgt 10.000 €.

Körperschaftsteuerlich wird die Dividende abgezogen (§ 8b I 1 KStG) und 5 % hiervon direkt wieder hinzugerechnet (§ 8b V 1 KStG). 

Man erhält also

Jahresüberschuss 10.000 €

abzgl. Dividende 1.000 €

zzgl. 5 % hiervon 50 €

=  zu versteuerndes Einkommen 9.050 €

Gewerbesteuerlich wird der Abzug, der bei der Körperschaftsteuer richtig war, wieder rückgängig gemacht, denn die Beteiligung ist echt kleiner als 15 %. Man erhält damit

Gewinn aus Gewerbebetrieb 9.050 €

zzgl. gewerbesteuerliche Hinzurechnung 950 €

=  Gewerbeertrag 10.000 €

Man sieht hieran also sehr schön die Idee der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung des § 8 Nr. 5 GewSt: die Bemessungsgrundlage ist gewerbesteuerlich der “gewöhnliche” Gewinn, körperschaftsteuerlich hingegen nicht.

Beispiel:

Die X-AG aus Berlin ist mit 18 % an der Y-AG aus Bochum beteiligt und erhält im Jahr 2021 aus dieser Beteiligung eine Dividende in Höhe von 1.000 €. Der Jahresüberschuss der X-AG beträgt 10.000 €.

Körperschaftsteuerlich wird die Dividende abgezogen (§ 8b I 1 KStG) und 5 % hiervon direkt wieder hinzugerechnet (§ 8b V 1 KStG). 

Man erhält also

Jahresüberschuss 10.000 €

abzgl. Dividende 1.000 €

zzgl. 5 % hiervon 50 €

=  zu versteuerndes Einkommen 9.050 €

Gewerbesteuerlich wird der Abzug, der bei der Körperschaftsteuer richtig war, nicht wieder rückgängig gemacht, denn die Beteiligung ist echt kleiner als 15 %. Der Gewinn aus Gewerbebetrieb ist damit gleich den Gewerbeertrag.

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