2. Immaterielle Vermögensgegenstände

Immaterielle Vermögensgegenstände sind, wie der Name es bereits sagt, nicht materiell. Sie sind nicht greifbar. sie können allerdings sehr wohl selbstständig verwertbar, selbständig bewertbar sein und einen konkreten Nutzen für die  Unternehmung stiften. Wenn diese drei Voraussetzungen kumulativ gelten, so ist der immaterielle Vermögensgegenstand abstrakt aktivierungsfähig. Er ist mit anderen Worten ein Vermögensgegenstand. Die Eigenschaft, immateriell zu sein, heißt also nicht etwa, dass der immaterielle Vermögensgegenstand nicht etwa grundsätzlich in die Bilanz Eingang finden könnte. 

Wenn zusätzlich kein Aktivierungsverbot greift und auch kein Aktivierungswahlrecht einschlägig ist, muss (!) dieser immaterielle Vermögensgegenstand aktiviert werden. Wenn allerdings kein Aktivierungsverbot greift und aber ein Aktivierungswahlrecht besteht, so darf (!) der immaterielle Vermögensgegenstand aktiviert werden, muss aber nicht. 

Bei den immateriellen Vermögensgegenständen ist insbesondere der Umgang wichtig mit den 

– immateriellen Vermögensgegenständen 

– des Anlagevermögens, 

– die nicht entgeltlich erworben wurden.

Hierauf besteht ein (Ansatz-)Wahlrecht der Aktivierung (§ 248 II 1 HGB). Wichtig ist hierbei, dass die Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind und nicht lediglich alternativ. Dass sie also sämtlich gelten und nicht etwa lediglich eine oder zwei Voraussetzungen.

Beispiel: 

Ein selbsterstelltes Patent ist immateriell und zusätzlich Teil des Anlagevermögens, wenn und weil es dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen soll (§ 247 II HGB).

Es ist also durch das Ansatzwahlrecht, mit anderen Worten das Aktivierungswahlrecht, des § 248 II 1 HGB erfasst. Wenn man sich in der derzeitigen Periode reich rechnen muss, so wird man das Aktivierungswahlrecht ausnutzen, wenn man sich arm rechnen soll, so wird man das Aktivierungswahlrecht nicht ansetzen.

Fraglich ist, was passiert, wenn eine der drei Voraussetzungen nicht erfüllt sein sollte. Wenn es sich z.B. um einen immateriellen Vermögensgegenstand des Umlaufvermögens handelt, welcher nicht entgeltlich erworben wurde.

Beispiel:

Ein Software-Unternehmen entwickelt Software und vertreibt diese am Markt.

Es liegt Umlaufvermögen vor (§ 247 II HGB Umkehrschluss), dieses ist immateriell und nicht entgeltlich erworben, da selbst erstellt. Folglich sind nicht alle drei Voraussetzungen des Aktivierungswahlrechts erfüllt, mithin gilt kein Aktivierungswahlrecht, sondern vielmehr ein Aktivierungsgebot (also eine Aktivierungspflicht).

LAMBERT-REGEL:

Es gibt nach Handelsrecht nach HGB drei Ansatzwahlrechte, nämlich

– für immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, die nicht selbst erstellt wurden (§ 248 II 1 HGB),

– für aktive latente Steuern (§ 274 I 2 HGB) und 

– für ein Disagio (§ 250 III 1 HGB). 

Man darf übrigens ein Ansatzwahlrecht nicht mit einem Bewertungswahlrecht verwechseln. Bei einem Ansatzwahlrecht besteht die Möglichkeit, aber nicht die Pflicht, eine Sache in der Bilanz anzusetzen. Bei einem Bewertungswahlrecht hingegen liegt die Höhe, mit welcher etwas in der Bilanz angesetzt wird, im Ermessen des Bilanzierenden.

Beispiel:

Die X-AG aus Bochum entwickelt ein Patent im Jahr 2021. Sie hat hierfür Auszahlungen zu tragen in Höhe von 20.000 €. Der Bilanzbuchhalter der X-AG, Herr Egon Fürchtegott, möchte die Unternehmung

a) möglichst arm rechnen bzw.

b) möglichst reich rechnen.

Zu a) Wenn man sich möglichst arm rechnen möchte, so wird man die 20.000 € als Aufwendung ansetzen und nicht als Vermögensgegenstand in die Bilanz buchen. Der Buchungssatz lautet daher 

Aufwand 20.000 € an  Guthaben bei Kreditinstituten 20.000 €

Zu b) Möchte man sich möglichst reich rechnen, so wird man das Aktivierungswahlrecht ausnutzen und stattdessen buchen

immaterielle Vermögensgegenstände 20.000 € an Guthaben bei Kreditinstituten 20.000 € Euro. 

Beispiel: 

Die X-AG aus Bochum erwirbt ein Patent im Jahr 2021 für 30.000 €.

In diesem Fall ist der immaterielle Vermögensgegenstand des Anlagevermögens entgeltlich erworben worden. Er ist abstrakt aktivierungsfähig und ein Aktivierungswahlrecht greift nicht. Damit ist er konkret aktivierungsfähig und es gilt ein Aktivierungsgebot (= eine Aktivierungspflicht).

Beispiel:

Die X-AG aus Bochum ist Software-Hersteller und entwickelt Buchhaltungssoftware, um diese am Markt zu verkaufen.

Es handelt sich um einen immateriellen Vermögensgegenstand, welcher allerdings nicht zum Anlagevermögen gehört, weil er nicht dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen, sondern vielmehr im Produktionsprozess untergehen soll (§ 247 II HGB)  Umkehrschluss). Er gehört damit zum Umlaufvermögen, das Aktivierungswahlrecht des § 248 II 1 HGB gilt nicht, da nicht alle drei Voraussetzungen kumulativ gelten..

 

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

SEE ALLAdd a note
YOU
Add your Comment
 

Über Uns

Wir bieten seit 1994 Unterricht für BWL, VWL, Statistik und Mathematik. Mit uns bereiten Sie sich optimal auf Ihre Prüfung vor - kurz, knapp und auf den Punkt gebracht. Sie haben bei uns die Möglichkeit der Gruppenkurse und des Einzelunterrichts, der Präsenzkurse und der Skriptsammlungen.

Wer ist Online?

Im Moment ist niemand online.