Internationale Rechnungslegung: 1.1 Aufbau

1 Aufbau IFRS

LERNZIELE:

Lernen Sie den Aufbau der IFRS und seine Bestandteile. Sie sollten außerdem wissen, welche Unternehmen die IFRS anwenden müssen.

Rechnungslegung nach IFRS unterscheidet sich an manchen Stellen stark von jenem, was man als HGB-Leser gewohnt ist. Wir unterscheiden

  • Code Law
    • kurze und knappe Regelungen
    • HGB
  • Case Law
    • lange, ausführlich gefasste Regelungen
    • IFRS.

Wenn man das Regelwerk der IAS/IFRS mit jenem des HGB vergleicht, sieht man diesen Unterschied deutlich: für das HGB muss man „wenig“ im Gesetz lesen, dafür aber viel an Literatur, um zu verstehen, was gemeint ist. Bei den IFRS ist es genau anders: man muss „viel“ im Regelwerk lesen und dafür aber wenig an Sekundärliteratur.

1.1 Aufbau

Man unterscheidet

  • Framework
    • Rahmenwerk
    • nicht verbindlich
  • Standards
    • IAS, IFRS
    • verbindlich
  • Interpretations
    • SIC, IFRIC
    • verbindlich

LAMBERT-METHODE:

Ein Standard lässt sich einteilen in

  • Standard im engeren Sinne, der verbindlich ist und
  • Standard im weiteren Sinne, der nicht verbindlich ist.

1.1.1 Rahmenkonzept

Das Rahmenkonzept (= Framework) ist als Rahmenwerk nicht verbindlich.

LAMBERT-REGEL FRAMEWORK:

Die Punkte des Framework werden immer dann angewendet, wenn Regelungslücken bei den Standards oder Interpretations bestehen. Seine Inhalte sind also nicht verbindlich!

Bestandteile des Framework sind (F 5):

  • Zielsetzung von Jahresabschlüssen
  • Qualitative Merkmale der Rechnungslegung
  • Definition, Ansatz und Bewertung der Abschlusselemente,
  • Kapital und Kapitalerhaltungskonzept.

Zielsetzung von Jahresabschlüssen ist es, Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu geben (F 12). Qualitative Anforderungen an den Abschluss sind im Rahmenkonzept geregelt:

  • Verständlichkeit
  • Relevanz
  • Wesentlichkeit
  • Verlässlichkeit
  • glaubwürdige Darstellung
  • wirtschaftliche Betrachtungsweise
  • Neutralität
  • Vorsicht
  • Vollständigkeit
  • Vergleichbarkeit
  • Zeitnähe
  • Abwägung von Nutzen und Kosten
  • Abwägung der qualitativen Anforderungen an den Abschluss
  • Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes.

LAMBERT-METHODE:

Am besten lesen Sie sich kurz im IFRS-Regelwerk an dieser Stelle locker die gerade erwähnten Punkte durch, d.h. Verständlichkeit in F 25 etc. Wir werden an späterer Stelle die Punkte erläutern, Sie schaffen sich so einen ersten Einblick und lernen, dass das Arbeiten mit dem Regelwerk (= HGB bei nationaler Rechnungslegung, IAS/IFRS bei internationaler Rechnungslegung, EStG etc. bei deutschem Steuerrecht) entscheidend ist.

Weiterhin werden im Rahmenkonzept bereits wichtige Größen eingeführt, nämlich Vermögenswerte (F 53 ff.), Schulden (R 60 ff.), Eigenkapital (R 65 ff.), Erträge (R 74 ff.), Aufwendungen (R 78 ff.). Auch hier lohnt sich ein erstes Durchlesen, denn bei späteren Betrachtungen kommen wir hierauf zurück.

1.1.2 Standards

Bestandteile eines Standards sind

  • Zielsetzung
  • Anwendungsbereich (= Scope)
  • Inhalte
  • Angaben
  • In-Kraft-Treten
  • weitere Teile

Sie sind im Gegensatz zum Framework verbindlich.

LAMBERT-METHODE:

Eine oft gestellte Frage von Lernenden, die das HGB gewohnt sind und damit zentraleuropäisches Code Law statt anglo-amerikanischem Case Law: welche Standards muss ich können, welche nicht? Diese Frage lässt sich natürlich so in der Schärfe nicht beantworten mit: lernen Sie diesen Standard nicht und jenen aber schon.

Trotzdem lässt sich sicherlich sagen, dass IAS 1, 2, 7, 8, 10, 11, 16, 17, 18, 23, 27, 28, 36, 37, 38 und 39 besonders wichtig sind…

Hier eine Übersicht über besonders wichtige Standards und den Inhalt:

StandardInhalt
International Accounting Standards
IAS 1Darstellung des Abschlusses
IAS 2Vorräte
IAS 7Kapitalflussrechnungen
IAS 8Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen und Fehler
IAS 10Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
IAS 11Fertigungsaufträge
IAS 12Ertragsteuern
IAS 14Segmentberichterstattung
IAS 16Sachanlagen
IAS 18Erträge
IAS 23Fremdkapitalkosten
IAS 27Konzern- und separate Einzelabschlüsse nach IFRS
IAS 28Anteile an assoziierten Unternehmen
IAS 31Anteile an Joint Ventures
IAS 36Wertminderung von Vermögenswerten
IAS 37Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen
IAS 38Immaterielle Vermögenswerte
IAS 39Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung

Tab. 1: Übersicht wichtige IAS

Wichtige IFRS sind:

StandardInhalt
International Financial Reporting Standards
IFRS 2Aktienbasierte Vergütung
IFRS 3Unternehmenszusammenschlüsse

Tab. 2: Übersicht wichtige IFRS

LAMBERT-REGEL:

Die Standards enthalten stets auch einen Paragraphen mit Definitionen, in dem die relevanten Begriffe zunächst festgelegt werden. Hieran kann man sich als Prüfling orientieren, denn die für die Definition eines Begriffs wesentlichen Punkte werden hier schon erwähnt und müssen abgeprüft werden.

1.1.3 Interpretationen

Die Interpretationen (= Interpretations) sollen unklare oder fehlende Bereiche der Standards beseitigen. Sie sind, genau wie die Standards selbst, verbindlich. Es gibt

  • IFRIC -Interpretationen und
  • SIC -Interpretationen.

Wichtige Interpretations sind:

StandardInhalt
Standing Interpretations Committee Interpretationen
IFRIC 4Feststellung, ob eine Vereinbarung ein Leasingverhältnis enthält
SIC-12Konsolidierung – Zweckgesellschaften
SIC-15Operating-Leasingverhältnisse
SIC-32Immaterielle Vermögenswerte – Websitekosten

Tab. 3: Übersicht wichtiger Interpretationen

 

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