Internationale Rechnungslegung: 10.2 Inhalte

10.2 Inhalte

10.2.1 Abgrenzung der Segmente

Die Segmentabgrenzung zeigt sich in IFRS 8 nach dem Management approach. Es werden die Segmente übernommen, die für die interne Berichterstattung im Unternehmen gebildet werden, wobei die Segmente vorzugsweise produktorientiert (z.B. nach Sportartikel: Fußbälle, Basketbälle, Tennisschläger) oder länderspezifisch (z.B. nach Ländergruppen: Sportartikel in Europa, Amerika, Australien) gewählt werden. Gemäß den Richtlinien des IFRS sind die operativen Segmente verpflichtet, bestimmte Merkmale zu erfüllen:

  • Geschäftsaktivitäten führen potentiell oder tatsächlich zu Erträgen und Aufwendungen
  • zur Steuerung und Kontrolle der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens werden die operativen Ergebnisse überwacht
  • Verfügbarkeit gesonderter Rechnungslegungsdaten.

Die einzelnen Segmente eines Herstellers unterliegen der Überwachung eines zentralen Entscheidungsträgers, wobei die Überwachung anhand von Erfolgsgrößen erfolgt und das operative Ergebnis bzw. Betriebsergebnis den Beurteilungsmaßstab darstellt. Zeigt sich eine Produktgruppe, deren Erfolg geringer ausfällt als die Ergebnisse anderer Segmente, so gilt es Maßnahmen vorzunehmen, die sich effizienzsteigernd auswirken. Um zu gewährleisten, dass die Summe der Erfolge aller Segmente mit dem Periodenergebnis identisch ist und übereinstimmt, tritt die Überleitungsrechnung in den Fokus, in der die internen Erfolge ausgeglichen werden.

Eine Berichtspflicht für operative Segmente ist nur dann erforderlich, wenn sie eine bestimmte Größe erreichen bzw. überschreiten, um auf diese Weise zu gewährleisten, dass ein Unternehmen nicht zu viele berichtspflichtige Segmente erstellt. Eine Unübersichtlichkeit in der Berichterstattung soll somit vermieden werden. Weiterhin gilt es, bei der Berichtspflicht zunächst die Entscheidungsrelevanz in Frage zu stellen, sodass die Segmente mit qualitativen Merkmalen bezüglich des Relevanz-Grundsatzes zu überprüfen sind. Darüber hinaus sind neben den qualitativen Aspekten quantitative Maßstäbe erforderlich. Infolgedessen und in Bezug auf die folgende Aufzählung besteht genau dann eine Berichtspflicht, wenn die beschriebenen Grenzwerte für ein Segment erfüllt sind:

  • Umsatzkriterium
    • Umsatzerlöse (inkl. Innenumsätze) mindestens 10 % der Gesamtumsatzerlöse
  • Erfolgskriterium
    • Erfolg mindestens 10 % des Gewinns oder Verlustes; der absolut höhere Betrag ist entscheidend
  • Vermögenskriterium
    • Vermögen mindestens 10 % des Gesamtvermögens

Und außerdem:

  • identifizierte Segmente müssen mindestens 75 % der externen Segmenterträge darstellen.

Festgehalten werden muss, dass eine Berichtspflicht dann gegeben ist, wenn mindestens eins der ersten drei Kriterien erfüllt ist.

Bezüglich des Erfolgskriteriums ist eine Trennung der Segmente mit den Gewinnen und den Verlusten erforderlich, wobei der absolut höhere Betrag entscheidend ist.

Beispiel 43:

Lassen sich bei sechs Segmenten Gewinne von insgesamt 700.000 € verzeichnen, denen drei weitere Segmente mit einem Verlust von insgesamt 800.000 € gegenüberstehen, so sind 10 % von 800.000 € (= 80.000 €) als Grenzwert zu betrachten.

Bezüglich des Umsatzkriteriums eines jeden Segmentes erfolgt die Ermittlung der Erlöse mit Unternehmensfremden, sowie der intersegmentären Umsatzerlösen. Daraufhin erfolgt die Ermittlung ihres Anteils an den internen sowie externen Umsatzerlösen.

Beispiel 44:

Mit dem Segment der Fußbälle macht der Sportartikelhersteller aus Beispiel 42 in der Geschäftsperiode 08 einen Umsatz von 2.300.000 € durch Verkäufe und 600.000 € Umsätze durch externe Aufträge beim Segment der Hockey-Schläger. Das Unternehmen weist einen gesamten Umsatz (intern + extern) von 25.000.000 € in diesem Geschäftsjahr auf.

Die Rechnung:

UmsatzSegment = interner UmsatzSegment + ext. UmsatzSegment

= (2.300.000 € + 600.000 €)/25.000.000 €

= 0,116

= 11,6 %

zeigt, dass das Segment der Fußbälle die 10 % Grenze nicht einhält und diese überschreitet, da interne und externe Umsätze gleichermaßen zu berücksichtigen sind.

Die vergangene Aufzählung der Grenzwerte hat gezeigt, dass identifizierte Segmente mindestens 75 % der externen Segmenterträge darstellen müssen. Hintergrund dafür ist die Gewährleistung der Aussagekraft der Segmentberichterstattung. Kommt es jedoch zu dem Fall, dass die 75 %-Regel nicht erfüllt ist, so gilt es, weitere Segmente zu bilden. Tritt der Fall ein, dass Segmente die genannten Grenzen nicht einhalten, so ist ein Sammelsegment zu bilden, in welchem diese beispielsweise unter der Kategorie „weitere Geschäftsbereiche“ zusammengefasst werden.

10.2.2 Informationen der Segmente

Grundlegende und wesentlich Segmentinformationen sind gemäß IFRS 8 solche, die sich in der folgenden Aufgliederung wiederfinden lassen:

  • Segmentergebnis: IFRS 8 sieht hiefür keine Definition vor, was auf das Management Approach zurückzuführen ist, nach dem die Ergebnisgröße für die interne Steuerung und Berichterstattung zu verwenden ist. Als Beispiele lassen sich hier der kalkulatorische Gewinn des internen Rechnungswesens oder das Periodenergebnis nach IFRS aufzählen. Folglich ist eine Bereitstellung der Bewertungsmethoden zur Berechnung des kalkulatorischen Gewinns erforderlich, um auf diese Weise die Ermittlung des Periodenerfolges nach IFRS zu ermöglichen.
  • Segmentabschreibungen: Diese beinhalten sowohl die Abschreibungen des materiellen als auch des immateriellen Segmentvermögens.
  • Segmenterträge mit fremden Dritten: Darstellung der positiven Komponente des Segmentergebnisses, wobei es sich an dieser Stelle um die Umsatzerlöse handelt.
  • Intersegmentäre Umsatzerlöse: Erträge, die durch Lieferungen und Leistungen zwischen den einzelnen Segmenten erzielt werden, wobei unternehmensinterne Verrechnungspreise für die Bewertung zuständig sind.
  • Segmentvermögen: Dieses umfasst sowohl materielle als auch immaterielle Assets, welche zugehörig zu einem bestimmten Segment sind. Nach dem Management Approach erfolgt keine verbindliche Bewertung dieses Vermögens. Bewertungsmethoden gilt es nur dann anzugeben, sofern sich eine Abweichung von der IFRS-Bewertung ergibt.
  • Segmentinvestitionen: Angabe des Betrages, der für längerfristig nutzbare Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte (= Assets) neu aufgewendet wurde.
  • Zinsaufwendungen und -erträge: Aufwendungen oder Erträge, welche durch die Nutzung bzw. Überlassung von Fremdkapital entstehen.
  • Zahlungswirksame Größen: Die Angabe grundlegender und wesentlicher zahlungsunwirksamer Aufwendungen und Erträge sind für die indirekte Berechnung des Cash flows für jedes Segment zwingend notwendig. Nicht dazu gehören jedoch Abschreibungen, die gesondert erfasst werden.

Zusätzlich zu den beschriebenen Segmentangaben sind bestimmte Zusatzinformationen erforderlich. Demnach gilt es, neben der Ermittlung interner Verrechnungspreise und den Angaben zu den Bewertungsmethoden, weitere Angabepflichten zu erfüllen. Hierfür sind beispielsweise Vorjahresangaben und die Auswirkungen bei der Änderung der Bewertungsmethoden nennen.

Die Überleitungsrechnung sorgt dafür, dass die Segmentinformationen mit den Daten der Bilanz und GuV-Rechnung identisch sind, wobei sie die Teilgrößen mit den Gesamtgrößen der GuV-Rechnung miteinander verknüpft. Es entsteht eine Verbindung der Segmentebene und der Unternehmensebene. Des weiteren ist die Überleitungsrechnung gemäß IFRS notwendig und vorgeschrieben, um bestimmte Größen ermitteln zu können. Dazu gehören:

  • Segmenterträge
  • Segmentvernögen
  • Segmentergebnisse
  • sonstige wesentliche Segmentdaten.

Um den Aufbau einer Segmentberichterstattung mit einer Überleitungsrechnung zu verdeutlichen, ist nachfolgende Abbildung zu betrachten: Ausgangspunkt sind drei berichtspflichtige Segmente sowie ein Sammelsegment. Die Werte, die sich auf der Unternehmensebene ergeben, spiegeln sich in der letztem Spalte wieder, wobei die gesamten externen Segmenterträge von 900.000 € gleichzusetzen sind mit den Umsatzerlösen, welche in der GuV-Rechnung an Ausdruck erlangen.

Segmentberichterstattung

Segment 1Segment 2Segment 3Übrige

Bereiche

ÜberleitungUnternehmen
Segment-

erträge

(extern)

245.000,00 285.000,00 305.000,00 65.000,00 900 000,00 €
Segment-

ertäge

(intern)

14 000,00 €7 000,00 €16 000,00 €8 000,00 €-45 000,00 €
Summe259 000,00 €292 000,00 €321 000,00 €73 000,00 €-45 000,00 €900 000,00 €
Segment-

ergebnis

47 000,00 €69 000,00 €105 000,00 €11 000,00 €8 000,00 €240 000,00 €

Tab. 43: Zusammenfassung Segmente

Erläuterung zum Aufbau der Segmentberichterstattung:

erste Zeile: externe Segmenterträge, welche sich durch den Absatz an fremde Dritte entwickeln.

zweite Zeile: interne Segmenterträge, die durch interne Leistungen verursacht werden. Segment 1 weist interne Leistungen von 14.000 € auf, welche sich auf die weiteren Segmente beziehen.

dritte Zeile: die Summe der internen Leistungen zeigt sich in der Spalte Überleitung, wobei diese dann in der Überleitungsrechnung in der Summenzeile rückgängig gemacht werden. Würde dieses Vorgehen vernachlässigt werden, so würde eine Doppelzählung auftreten. Die Begründung liegt darin, dass der interne Umsatz als eine Vorleistung betrachtet werden kann und aufgrund dessen nicht zusätzlich erfasst werden darf. Folglich werden die internen Segmenterträge von 45.000 € mit Hilfe der Überleitungsrechnung wieder abgezogen.

vierte Zeile: Addiert man die Segmentergebnisse der einzelnen Segmente, so erhält man in der GuV-Rechnung (Unternehmensebene) das Betriebsergebnis.

Tritt eine Verminderung der Umsatzerlöse um kalkulatorische Kosten auf der Segmentebene auf, so sind Korrekturen in der Überleitungsrechnung notwendig.

 

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