Internationale Rechnungslegung: 11.1 Grundlagen

11 Internationale Konzernrechnungslegung

LERNZIELE:

Nach Durchsicht dieses Kapitels sollen Sie Kenntnisse über den Konzernabschluss haben. Sie sollen beherrschen:

  • wer zum Konsolidierungskreis gehört und wer nicht,
  • die Methoden der Kapitalkonsolidierung,
  • die Schuldenkonsolidierung,
  • die GuV-Konsolidierung,
  • die Zwischenergebniseliminierung.

11.1 Grundlagen

Zunächst klären wir die unterschiedlichen Arten von Konzernen. Danach gehen wir auf die Aufgaben des Konzernabschlusses ein, um schließlich die Theorien zu beleuchten, nachdem ein Konzernabschluss erstellt wird.

11.1.1 Konzernarten

Je nach Unterscheidungsmerkmal differenziert man unterschiedliche Konzerne:

  • Verhältnis der Konzernunternehmen
    • Unterordnungskonzern
    • Gleichordnungskonzern
  • Produktionsstufe der Konzernunternehmen
    • horizontaler Konzern
    • vertikaler Konzern
    • anorganischer Konzern
  • Art des Zusammenschlusses
    • faktischer Konzern
    • Vertragskonzern
  • Stufen der Beteiligung
    • einstufiger Konzern
    • mehrstufiger Konzern.

Bei einem Unterordnungskonzern leitet eine Obergesellschaft den Konzern.

MERKE:

Faktisch werden lediglich Unterordnungskonzerne zur Konzernrechnungslegung verpflichtet.

Die Unternehmen eines Gleichordnungskonzern hingegen stehen sich gleichrangig gegenüber. Unter einem horizontalen Konzern versteht man Unternehmen der gleichen Branche, vertikal hingegen sind Konzerne mit Firmen aus aufeinander folgenden Produktionsstufen. Bei anorganischen Konzernen kommen die Unternehmen aus verschiedenen Branchen.

11.1.2 Funktionen des Konzernabschlusses

Der Konzernabschluss fasst Einzelabschlüsse rechtlich selbstständiger, allerdings wirtschaftlich abhängiger und dominierter Unternehmen dar. Ein Einzelabschluss hat eine

  • Informationsfunktion und eine
  • Zahlungsbemessungsfunktion.

Die Informationsfunktion informiert die Öffentlichkeit über die Lage der Unternehmung.

Die Zahlungsbemessungsfunktion dient sowohl den Eignern der Unternehmung als auch dem Staat, genauer gesagt dem Fiskus, seine Ansprüche zu formulieren.

Der Konzernabschluss hingegen hat einzig und allein die Aufgabe, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage einer geschlossenen Gruppe rechtlich selbstständiger Unternehmen zu vermitteln.

MERKE:

Der Konzernabschluss hat also lediglich eine Informationsfunktion, nicht jedoch eine Zahlungsbemessungsfunktion.

Dies folgt aus dem Punkt, dass der Konzern nicht als Rechtsperson existiert und also auch nicht Träger von Rechten und Pflichten sein kann. Die Ansprüche werden aus den Einzelunternehmen gezogen, nicht aber aus dem Konzernverbund.

11.1.3 Theorien des Konzernabschlusses

Es existiert die

  • Einheitstheorie und die
  • Interessentheorie.

Die Interessentheorie wird bei IFRS weitestgehend nicht verfolgt.

Die Einheitstheorie stellt die Forderung, dass „im Konzernabschluss die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der einbezogenen Unternehmen so darzustellen ist, als ob diese Unternehmen insgesamt ein einziges Unternehmen wären“.

Man tut also so, als seien die einzelnen Konzernunternehmen lediglich Organe eines größeren, übergeordneten Unternehmens, nämlich des Konzerns.

Dies bedeutet, dass z.B. innerbetriebliche Verflechtungen, genauer gesagt innerkonzernliche Verflechtungen, nicht zu Erfolgsvorgängen oder zu innerbetrieblichen Forderungen und Verbindlichkeiten führen dürfen. Es sind daher im Rahmen der Konsolidierung u.a. innerbetriebliche Schulden und innerbetriebliche Verbindlichkeiten zu eliminieren.

Genauso sind Umsätze des einen Konzernunternehmens, die dieses zulasten anderer Konzernunternehmen getätigt hat, nicht als Erfolg auszuweisen.

Schließlich ist die Beteiligung bei der Mutter und das Eigenkapital bei der Tochter im Rahmen einer Kapitalkonsolidierung zu eliminieren.

11.1.4 Bestandteile des Konzernabschlusses

Nach IFRS existieren folgende Bestandteile des Konzernabschlusses:

  • Statement of Financial Position as the beginning/as at the end of the period,
  • Statement of recognised Income and Expense
  • Statement of Changes in Equity
  • Statement of Cash Flows
  • Notes (comprising a summary of significant accounting policies and other explanatory information).

LAMBERT-KOCHREZEPT: Erstellung Konzernbilanz

1. Wer gehört zum Konsolidierungskreis, wer nicht?

2. Ausgangspunkt sind die Einzelbilanzen der Einzelunternehmens (= Handelsbilanzen I)

3. Angleichung der Einzelbilanzen an die Ansatz- und Bewertungsregeln, welche konzerneinheitlich sind. Im Ergebnis erhält man die Handelsbilanz II.

4. Ergebnisunterschiede durch die Währungsumrechnung treten auf. Man kalkuliert die umgerechnete Handelsbilanz 2.

5. Konsolidierungsmaßnahmen schließen sich an, also

– Kapitalkonsolidierung

– Schuldenkonsolidierung.

– Zwischenerfolgseliminierung und

– GuV-Konsolidierung.

Es resultiert die vorläufige Konzernbilanz.

6. Ergebnisunterschiede durch die Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen werden rausgerechnet. Man erhält die endgültige Konzernbilanz.

 

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