Internationale Rechnungslegung: 11.2 Rechnungslegungskreis

11.2 Rechnungslegungskreis

Man unterscheidet, je nach dem Einflussgrad, unterschiedliche Arten von Verbindungen und damit von relevanten Konsolidierungsmaßnahmen:

  • verbundene Unternehmen (IAS 27)
    • Beherrschung liegt vor
    • Vollkonsolidierung
  • Gemeinschaftsunternehmen (IAS 31)
    • Quotenkonsolidierung
  • assoziierte Unternehmen (IAS 28)
    • Equity-Methode.

11.2.1 Verbundene Unternehmen

Nach dem Control-Konzept ist die einheitliche Leitung und die Beteiligung nicht erforderlich. Vielmehr sind drei Punkte vorgegeben, von denen mindestens einer erfüllt sein muss. Bei Erfüllen eines dieser Bedingungen hat dann eine Konzernrechnungslegung zu erfolgen. Die Voraussetzungen sind:

  • bei Stimmenmehrheit (IAS 27.13)
    • mehr als 50 % der Stimmrechte, und zwar
      • direkt oder
      • indirekt
  • bei keiner Stimmenmehrheit
    • Mehrheit durch Stimmrechtsvereinbarung (IAS 27.13 a),
    • Einflussmöglichkeiten durch Vertrag oder Satzung (IAS 27.13 b),
    • Besetzungsmöglichkeiten von Leitungsgremien (IAS 27.13 c),
    • Stimmenmehrheit in Leitungsgremien (IAS 27.13 d).

Wenn eine der Voraussetzungen erfüllt ist, hat die Aufstellung eines Konzernabschlusses zu erfolgen.

Bei der Stimmrechtsmehrheit kommt es darauf an, dass die Mehrheit der Stimmrechte bei der Mutterunternehmung liegt. Es wird insbesondere nicht vorausgesetzt, dass eine Beteiligung oder eine Anteilsmehrheit des Mutterunternehmens vorliegt.

Wenn eine Stimmenmehrheit nicht vorhanden ist, so könnte trotzdem eine Beherrschung und damit die Verpflichtung zur Erstellung einer Konzernbilanz bestehen. Man unterscheidet folgende Möglichkeiten der Beherrschung (trotz fehlender Stimmenmehrheit)

  • Einflussmöglichkeiten durch Vertrag oder Satzung
  • Besetzungsmöglichkeiten von Leitungsgremien

Bei den Einflussmöglichkeiten durch Vertrag oder Satzung geht es darum, dass die Mutterunternehmung die Mehrheit der Mitglieder (!) des Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorgan der Tochterunternehmung besetzen und abberufen kann.

Zusätzlich muss dabei die Mutterunternehmung Gesellschafterstellung bei der Tochter haben. Insbesondere wird nicht vorausgesetzt, dass die Mutter durch Kapitalbeteiligung an der Tochter beteiligt ist.

Beispiel 45:

Die X-AG besitzt 60 % an der TU-AG.

Die X-AG beherrscht die TU-AG direkt.

Beispiel 46:

Die X-AG besitzt 60 % an der TU-AG, diese wiederum hat 60 % an der E-AG.

Die X-AG beherrscht die TU-AG und die TU-AG beherrscht die E-AG, da eine direkte Stimmenmehrheit von über 50 % vorliegt. Allerdings kann die X-AG über die TU-AG auch bei der E-AG ihren Willen durchsetzen. Insofern beherrscht die X-AG die E-AG indirekt!

LAMBERT-METHODE:

Man beachte also die Bedeutung der Stimmrechtsmehrheit, sie ist wichtiger als die Kapitalmehrheit! Siehe hierzu auch das Beispiel 59 auf S. 169 und die nachfolgende LAMBERT-METHODE hierzu.

11.2.2 Gemeinschaftsunternehmen

Bei Gemeinschaftsunternehmen gründen zwei oder mehrere Unternehmen ein weiteres Unternehmen gemeinsam und üben die Leitung gemeinsam aus. Kein Unternehmen kann dabei das andere überstimmen.

Beispiel 47:

Bei der T-AG sind die M1-AG und die M2-AG mit jeweils 50 % beteiligt.

Alle Entscheidungen müssen also einstimmig getroffen werden.

Beispiel 48:

Bei der T-AG sind die M1-AG, die M2-AG, die M3-GmbH und die M4-GmbH mit jeweils 25 % beteiligt. Jedes einzelne Unternehmen (außer der T-AG) hat Vetorecht, wenn es um Entscheidungen über die Belange der T-AG geht.

Da niemand überstimmt werden kann, wird die Leitung gemeinschaftlich ausgeübt, da wegen des Vetorechts jede Entscheidung einstimmig getroffen werden muss. Die T-AG ist ein Gemeinschaftsunternehmen der M1, M2, M3 und M4.

11.2.3 Assoziierte Unternehmen

Für das Vorliegen zweier assoziierter Unternehmen ist ein maßgeblicher Einfluss Voraussetzung. Unter einem maßgeblichen Einfluss versteht man (widerlegbar) eine Beteiligung ab 20 %, (IAS 28.6) die aber nicht zu einer Beherrschung führt, die folglich zwischen 20 und 50 % liegt. Beachte für den maßgeblichen Einfluss insb. auch IAS 28.7.

Bei Gemeinschaftsunternehmen wird für die Kapitalkonsolidierung verwendet

  • bevorzugte Methode
    • Quotenkonsolidierung (IAS 31.30)
  • auch zulässig
    • Equity-Methode (IAS 31.38).
 

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