Internationale Rechnungslegung: 3.1 Bilanzierung

3 Bilanzierung

LERNZIEL:

Zunächst muss die Frage beantwortet werden, ob (!) eine Sache in die Bilanz kommt (Bilanzierung), danach die Frage, an welcher Stelle sie in die Bilanz gelangt (sofern die Antwort auf die erste Frage „ja“ war) (Frage des Ausweises). Alsdann geht es darum, in welcher Höhe die Sache in die Bilanz kommt (Frage der Bewertung).

Sie sollen hierfür die IFRS-Sicht der Dinge kennenlernen und dies von den HGB-Vorschriften unterscheiden können (siehe zu letzterem das Lehrskript zu Bilanzierung nach HGB).

Es gibt

  • grundlegende Ansatzvorschriften und
  • spezielle (= postenspezifische) Ansatzvorschriften.

3.1 Grundlegende Ansatzvorschriften

Die grundlegenden Ansatzvorschriften gliedern sich auf in

  • erste Stufe
    • Definitionen
      • von Assets und
      • von Liabilities
  • zweite Stufe
    • Prüfung der
      • Probability und der
      • Reliability

LAMBERT-METHODE:

Wenn beide Stufen erfüllt sind, besteht grundsätzlich für Assets eine Aktivierungspflicht und für Liabilities eine Passivierungspflicht.

Für spezielle Posten (nämlich immaterielle Vermögenswerte, Forschungs- und Entwicklungskosten (research and development costs), Geschäfts- oder Firmenwert (= goodwill), latente Steuern (= deferred taxes), Rückstellungen (= non-financial liabilities) und Eigenkapital (= equity) müssen allerdings noch postenspezifische Ansatzkriterien erfüllt sein.

3.1.1 Erste Stufe

3.1.1.1 Definition Vermögenswert

Ein Vermögenswert (= Asset) ist (nach Rahmenkonzept R 89)

  • eine Ressource,
  • über die ein Unternehmen
  • auf Grund vergangener Ereignisse
  • verfügt und
  • von der künftig der Zufluss wirtschaftlichen Nutzens
  • erwartet wird.

Genauer gesagt: dann wird ein Vermögenswert als solcher auch in der Bilanz angesetzt.

LAMBERT-TIPP:

Sprechen Sie im Rahmen der

  • internationalen Rechnungslegung von Vermögenswerten,
  • im Rahmen der nationalen Rechnungslegung (HGB) von Vermögensgegenständen und
  • im Rahmen der nationalen steuerlichen Rechnungslegung (EStG) von Wirtschaftsgütern!

Man unterscheidet

  • kurzfristige (IAS 1.66) und
  • langfristige

Vermögenswerte.

3.1.1.2 Definition Schuld

Eine Schuld (= Liability) ist

  • eine gegenwärtige Verpflichtung
  • aus Ereignissen der Vergangenheit,
  • von deren Erfüllung ein Ressourcenabfluss erwartet wird,
  • die einen wirtschaftlichen Nutzen verkörpern.

Auch hier werden, wie bei Vermögenswerten,

  • kurzfristige (IAS 1.69) und
  • langfristige

Schulden unterschieden.

3.1.2 Zweite Stufe

Auf einer zweiten Stufe ist dann noch das Vorliegen zweier grundlegender Kriterien zu überprüfen, nämlich

  • Wahrscheinlichkeit und
  • verlässliche Bewertung

3.1.2.1 Wahrscheinlichkeit

Der zukünftige wirtschaftliche Nutzen muss mit einer Wahrscheinlichkeit (= Probability) von mindestens 50 % zufließen. Es müssen also mehr Gründe „für“ als „gegen“ den Zufluss sprechen.

Beispiel 4:

Die Trulla-AG erwirbt am 2.1.2009 eine Maschine im Werte von 200.000 €. In den folgenden Jahren sind folgende Zahlungen zu erwarten:

a) 300.000 € mit Wahrscheinlichkeit von 70 %, 400.00€ mit Wahrscheinlichkeit von 30 %,

b) 300.000 € mit Wahrscheinlichkeit von 20 %, -100.00€ mit Wahrscheinlichkeit von 80 %,

c) 400.000 € mit Wahrscheinlichkeit von 60 %, -200.00€ mit Wahrscheinlichkeit von 40 %.

Die Aktivierungspflicht kommt nur in den Fällen a) und c) infrage, nicht hingegen bei b). Der Zahlungsmittelzufluss erfolgt in a) und c) mit mehr als 50%-iger Wahrscheinlichkeit, das Kriterium der Probability ist somit erfüllt.

3.1.2.2 Verlässliche Bewertung

Die Aufwendungen, welche für ein Asset angefallen sind, müssen sich verlässlich bestimmen lassen und müssen direkt zuordenbar sein (= reliable measurement). Analoges gilt für die Schulden.

Beispiel 5:

Die Trulla-AG bucht ein Seminar für ihren Mitarbeiter Kalle Tutnix. Mit dem erworbenen Wissen können neue Aufträge in der Zukunft generiert werden. Das Seminar kostet 5.000 €.

Das Seminar ist nicht aktivierungsfähig, denn die verlässliche Bewertung ist nicht möglich. Zwar wird für die Zukunft ein wirtschaftlicher Nutzen generiert, welcher aber nicht verlässlich bewertet werden kann. Im Grenzfall hat der Mitarbeiter nichts gelernt und kann nichts aus dem Seminar umsetzen. Mithin besteht ein Aktivierungsverbot für das Seminar.

 

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