Internationale Rechnungslegung: 4.2 Ausweis einzelner Posten

4.2 Ausweis einzelner Posten

4.2.1 Aktivposten

Auf der Aktivseite der IFRS-Bilanz werden

  • Non Current Assets und
  • Current Assets

vermerkt.

4.2.1.1 Langfristige Vermögenswerte

Der Begriff „langfristige Vermögenswerte“ (= Non Current Assets) umfasst

  • Intangible Assets,
  • Property, Plant and Equipment,
  • Investment Properties,
  • Non Current Financial Assets und
  • Deferred Tax Assets.

Ein Vermögenswert ist als langfristig einzustufen, wenn IAS 1.66 nicht (!) erfüllt ist, wenn er also nicht kurzfristig ist.

 

4.2.1.1.1 Immaterielle Vermögenswerte

Unter dem Begriff „immaterielle Vermögenswerte“ (= intangible assets) versteht man

  • Goodwill (= Firmenwert),
  • Entwicklungskosten (= Development Costs),
  • Rechte,
  • Patente
  • Lizenzen.

Die genannten Posten werden regelmäßig gesondert ausgewiesen, um zu gewährleisten, dass der Relevance Grundsatz gegeben und erfüllt ist. Intangible Assets sind immaterielle Vermögenswerte, die über keine Substanz verfügen, „gefährliche” Vermögenswerte darstellen und einen entscheidungsrelevanten Charakter aus der Perspektive des Anteilseigners besitzen. Geht aus den Entwicklungskosten ein Patent hervor, so erfolgt der Ausweis der Kosten unter dieser Bezeichnung.

4.2.1.1.2 Property, Plant and Equipment

Hierzu zählt man

  • Grundstücke und Gebäude
  • technische Anlagen und Maschinen
  • Betriebsausstattung
  • Büroausstattung.

Property, Plant and Equipment stellen Sachanlagen dar, deren aufgezählte Posten regelmäßig gesondert ausgewiesen werden. Grundstücke und Gebäude beziehen sich auf die Produktion und Verwaltung, wohingegen technische Anlagen und Maschinen für die Fertigung vorgesehen sind. Zu der Betriebsausstattung und der Büroausstattung gehören u.a. Computer, Schreibtische und Regale. Demnach beziehen sich diese auf Produktionsfaktoren, die nur indirekter Bestandteil des Produktionsprozesses sind. Eine Ergänzung bezüglich der Sachanlagen stellen die Kraftfahrzeuge dar, welche den Fuhrpark des Unternehmens bilden.

4.2.1.1.3 Investment Properties

Unter Investment Properties sind als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien zu verstehen, die im Unternehmen jedoch nicht produktiv zum Einsatz kommen und genutzt werden. Dazu zählen:

  • Grundstücke
  • Gebäude

Ihnen wird Investitionscharakter zugeschrieben, dienen der Kapitalanlage und differenzieren sich somit von den Sachanlagen bzw. weisen eine gewisse Nähe den Finanzanlagen gegenüber auf.

4.2.1.1.4 Non Current Financial Assets

Hierunter versteht man Finanzanlagen. Diese lassen sich wie folgt einstufen:

  • Anteile an Tochterunternehmen
    • Anteilsquote > 50 %
  • Anteile an Gemeinschaftsunternehmen
    • Anteilsquote maximal 50 %
  • Anteile an assoziierten Unternehmen
    • Anteilsquote zwischen 20 % und 50 %
  • sonstige Wertpapiere
    • Anteilsquote < 20 %.

Durch diese Aufzählung wird deutlich, dass sich die langfristigen Teilhaberpapiere (Eigenkapitalpapiere) anhand der Anteilsquote differenzieren und abstufen lassen.

Tochterunternehmen sind dem Mutterunternehmen untergeordnet, stehen ihr gegenüber in einem Abhängigkeitsverhältnis und werden von diesem beherrscht. Die Voraussetzung für dieses Verhältnis zwischen Mutter- und Tochterunternehmen ist eine Anteilsquote der Mutter, die größer ist als 50 %. Die Folge sind rechtlich selbstständige, wirtschaftlich miteinander verbundene Unternehmen, die einen Konzern definieren. Das Mutterunternehmen ist zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet, in dem ihre Anteile an dem Tochterunternehmen mit dessen Eigenkapital zusammengefasst und verrechnet werden. Der Ausweis der Anteile an der Tochter erfolgt im Einzelabschluss des Mutterunternehmens als “Investment in Subsidiaries”.

Bei Gemeinschaftsunternehmen wird die Führungsposition von mindestens zwei Partnerunternehmen beinhaltet, sodass ein Anteilsbesitz über 50 % nicht gegeben sein wird. Der Ausweis von Anteilen an Geimenschaftsunternehmen erfolgt als “Interests in Joint Ventures”.

Assoziierte Unternehmen unterliegen einem erheblichen Einfluss eines anderen Unternehmens, welches jedoch nicht als Mutter- oder Gemeinschaftsunternehmen auftritt. Infolgedessen beläuft sich die Anteilsquote durch die Beteiligung mit maßgeblichem Einfluss auf andere Unternehmen auf mindestens 20 %, steigt jedoch nicht über 50 %.

Sonstige Wertpapiere sind Teilhaberpapiere mit Eigentümerstellung, zu denen auch Gläubigerpapiere, die Fremdkapital umfassen, zählen. Die Voraussetzungen und Anforderungen der bereits genannten Beteiligungsunternehmen treffen für sonstige Wertpapiere nicht zu, sodass deren Anteilsquote unter 20 % bleibt. Bezüglich des Ausweises im Anlagevermögen sind folgende Formen von Wertpapieren zu nennen:

  • Wertpapiere, die zur Veräußerung verfügbar sind (Teilhaber- oder Gläubigerpapiere mit langfristiger Anlageabsicht)
  • Wertpapiere, die zum Halten bestimmt sind (festverzinsliche Wertpapiere, Haltung bis zur Rückzahlung).
4.2.1.1.5 Aktive latente Steuern

Aktive latente Steuern (= Deferred Tax Assets) hängen in ihrem Entstehen von zwei Voraussetzungen ab:

  • Steuerbilanzgewinn muss größer sein als der IFRS-Gewinn
  • es muss sich um zeitliche oder quasi-permanente Differenzen handeln.

Aktive latente Steuern weisen einen langfristigen Charakter auf, was zurückzuführen ist auf die Gewinnunterschiede, welche sich in der Regel in mehreren Jahren ausgleichen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, so erfolgt der Ausweis der latenten Steuern im Anlagevermögen.

4.2.1.2 Kurzfristige Vermögenswerte

Der Begriff „kurzfristige Vermögenswerte“ (= current assets) umfasst

  • Inventories,
  • Trade and Other Receivables,
  • Current Financial Assets,
  • Prepaid Expenses und
  • Cash and Cash Equivalents.
4.2.1.2.1 Vorräte

Unter Inventories (= Vorräte) werden ausgewiesen:

  • Waren
  • Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
  • Fertigerzeugnisse
  • unfertige Erzeugnisse.

Bezüglich der Unterscheidung dieser Vorräte ist anzumerken, dass die Weiterveräußerung der Waren unverändert erfolgt, wohingegen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Industriebetrieb für die Fertigung neuer Produkte dienen bzw. für die Benutzung von Maschinen und technischen Anlagen erforderlich sind. Die Folge sind Fertigerzeugnisse und gegebenenfalls unfertige Erzeugnisse, sofern der Abschluss des Produktionsprozesses noch nicht eingetreten ist.

4.2.1.2.2 Forderungen

Bei dem Posten Forderungen (= Trade and Other Receivables) erfolgt ein regelmäßiger gesonderter Ausweis, wobei unterschieden wird zwischen:

  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Trade Receivables)
  • sonstige Forderungen (Other Receivables)

Die Entstehung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind auf Zielverkäufe gewöhnlicher Produkte eines Unternehmens zurückzuführen.

Sonstige Forderungen umfassen einen Sammelposten, welcher auf verschiedenen Ansprüchen beruht, und zu denen die folgenden Beispiele gehören:

  • Versicherungsansprüche
  • Anzahlungen
  • Steuerforderungen
  • Vorschüsse
  • antizipative aktive Rechnungsabgrenzungsposten

Ein gesonderter Ausweis ist bei zweifelhaften Forderungen bzw. Doubtful Accounts notwendig, sofern dort der volle Zahlungseingang nicht sicher ist. Der Grund liegt in der Wichtigkeit für Investoren, da diese Informationen für sie oftmals entscheidungsrelevanten Charakter aufweisen. Finden gesonderte Forderungsausweise statt, so sind diese im Rahmen der Langfristfertigung durchzuführen. Anwendung findet hierbei nach IFRS in der Regel die Percentage-of-Completion Methode, deren Folge ein zeitanteiliger Forderungs- und Gewinnausweis ist und unter der Bezeichnung „Künftige Forderung aus Fertigungaufträgen” bzw. „Gross amount due from customers for contract work” ausgewiesen wird. Hinzuzufügen ist, dass dieser Ausweis des Ansatzes schon vor der endgültigen Fertigstellung des Großprojektes durchgeführt wird.

4.2.1.2.3 Current Financial Assets

Current Financial Assets sind kurzfristige finanzielle Vermögenswerte, die den handelsrechtlichen Wertpapieren des Umlaufvermögens gleichgesetzt werden können. Ein regelmäßiger gesonderter Ausweis findet für die folgenden Posten statt:

  • Available-for-Sale Financial Assets
  • Financial Assets held for Trading

4.2.2 Passivposten

4.2.2.1 Capital and Reserves

4.2.2.1.1 Gezeichnetes Kapital

Das gezeichnete Kapital (= issued capital) gibt den Betrag an, auf den die Haftung der Aktionäre beschränkt ist.

4.2.2.1.2 Rücklagen

Unter Rücklagen (= Reserves) versteht man

  • Kapitalrücklagen (= Share Premium)
  • Gewinnrücklagen (= Revenue Reserves)
    • einbehaltene Ergebnisse (= retained earnings)
    • satzungsmäßige Rücklagen (= statutory reserves)
    • gesetzliche Rücklagen (= legal reserves)
  • sonstige Rücklagen (= other reserves)
    • z.B. Neubewertungsrücklage
    • Fair Value-Rücklage.

Innerhalb der Kapitalrücklagen werden unterschiedliche Positionen zusammengefasst:

  • Beträge, die bei der Emission von Aktien über den Nennbetrag hinaus erzielt werden,
  • Betrag, der bei der Emission von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen über ihren Rückzahlungsbetrag hinaus erzielt wird,
  • Zuzahlungsbeträge, die Gesellschafter gegen Gewährung eines Vorzugs für ihre Anteile leisten,
  • Betrag anderer Zuzahlungen, die Gesellschafter in das Eigenkapital leisten.

Beispiel 11:

Die Smuth-AG emittiert 10.000 Aktien mit einem Nennwert in Höhe von 1 € zu einem Emissionskurs von 10 €.

Wie stark steigt die Kapitalrücklage an?

Das Agio bei der Aktienemission berechnet sich als: Agio = Emissionskurs – Nennwert, d.h. also hier: Agio = 10 – 1 = 9 € pro Aktie. Der Emissionskurs übersteigt den Nennwert der Aktie um 9 €, d.h. bei 10.000 Aktien steigt die Kapitalrücklage der X-AG um insgesamt 10.000·9 = 90.000 €.

Die satzungsmäßigen Rücklagen werden, wie der Name bereits sagt, von der Satzung, also der Verfassung der Unternehmung, bestimmt und ergänzen die gesetzliche Pflicht der Thesaurierung, die in die gesetzliche Rücklage wandert, um eine zusätzliche privat vorgesehene Thesaurierung, die in die satzungsmäßige Rücklage Eingang findet.

4.2.2.2 Langfristige Schulden

Unter den langfristigen Schulden (= non current liabilities) versteht man

  • langfristige finanzielle Verbindlichkeiten (= Non Current Financial Liabilities)
  • passive latente Steuern (= Deferred Tax Liabilities)
  • Rückstellungen (= Non-financial Liabilities).

4.2.2.3 Kurzfristige Schulden

Zu den kurzfristigen Schulden (= current liabilities) zählen

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeit
  • kurzfristige finanzielle Verbindlichkeiten
  • Rückstellungen
  • passive Rechnungsabgrenzungsposten (Deferred Income).

LAMBERT-METHODE:

Neu im Vergleich zur HGB-Bilanzierung ist also, dass Rückstellungen in der Bilanz unterschieden werden nach

  • kurzfristigen Rückstellungen und
  • langfristigen Rückstellungen.

Diese werden dann unter unterschiedlichen Positionen ausgewiesen.

 

Über Uns

Wir bieten seit 1994 Unterricht für BWL, VWL, Statistik und Mathematik. Mit uns bereiten Sie sich optimal auf Ihre Prüfung vor - kurz, knapp und auf den Punkt gebracht. Sie haben bei uns die Möglichkeit der Gruppenkurse und des Einzelunterrichts, der Präsenzkurse und der Skriptsammlungen.

Wer ist Online?

Im Moment ist niemand online.