Derivativer Geschäfts- oder Firmenwert

Der derivative Geschäfts oder Firmenwert (= Goodwill) wird handelsrechtlich entweder 

– über eine bekannte Laufzeit abgeschrieben, sofern diese bekannt ist (§ 253 III 1,2 HGB)  oder aber 

– über einen fiktiven Zeitraum von zehn Jahren, wenn die Laufzeit nicht bekannt ist (§ 253 III 4 HGB). 

In der Praxis dürfte der zweite Fall deutlich häufiger vorkommen als erste. 

Beispiel:

Die X-AG aus Bochum erwirbt am 4. Februar 2021 sämtliche Anteile der Y-AG aus Köln für einen Kaufpreis in Höhe von 6.000.000 €. Die Buchwerte sämtlicher Vermögensgegenstände der Y-AG liegen bei 6.000.000 €, ihre Schulden hingegen haben einen Zeitwert von 3.000.000 €. Es sind stille Reserven im Anlage- bzw. Umlaufvermögen der Y-AG gebunden in Höhe von insgesamt 2.000.000 €. Der Steuersatz der X-AG liegt derzeit bei 30 %. Eine Steuerbilanz wird derzeit nicht erstellt.

Welche Unterschiede existieren zwischen der handels- und der steuerrechtlichen Bilanzierung? In welcher Höhe kommt es zu einer innerbilanziellen Korrektur?

Der derivative Geschäfts-oder Firmenwert berechnet sich nach § 246 I 4 HGB  als

Derivativer GoF = Kaufpreis des Unternehmens – (Zeitwert der Vermögensgegenstände –  Zeitwert der Schulden) 

= Kaufpreis des Unternehmens – (Buchwert der Vermögensgegenstände + stille Reserven – Zeitwert der Schulden) 

= 6.000.000 – (6.000.000 + 2.000.000 – 3.000.000) 

= 6.000.000 – 5.000.000 

= 1.000.000 €. 

Die Differenz zwischen dem Zeitwert der Vermögensgegenstände und deren Zeitwert bezeichnet man als den Zeitwert des Eigenkapitals des erworbenen Unternehmens. Der derivative Geschäfts- oder Firmenwert ist mit anderen Worten die Differenz aus Kaufpreis und Zeitwert des erworbenen Unternehmens. 

Der Wert von 1.000.000 € stellt die Erstbewertung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwert am 4. Februar 2021 dar. Eine Nutzungsdauer ist der Aufgabenstellung nicht zu entnehmen, weshalb handelsrechtlich fiktiv eine Nutzungsdauer von zehn  Jahren unterstellt wird (§ 253 III 4 HGB). Damit erhält man im Jahr 2021 eine Abschreibung in Höhe von 

AB_2021 = (1.000.000/10)*(11/12) = 100.000*(11/12) = 91.666,67 €. 

Steuerrechtlich hingegen liegt die fiktive Nutzungsdauer für den Goodwill bei 15 Jahren (§ 7 I 4 EStG), damit liegt die steuerrechtliche Abschreibung (genannt Absetzung für Abnutzung = AfA) für das Jahr 2021 bei

AfA_2021 = (1.000.000/15)*(11/12) = 66.666,67*(11/12) = 61.111,11 €.

Die innerbilanzielle Korrektur liegt da mit bei 30 .555,56 €. 

Da handelsrechtlich mehr abgeschrieben wird als steuerrechtlich, ist in der Korrekturrechnung des § 60 II EStDV eine Hinzurechnung in Höhe von (91.666,67 – 61.111,11) = 30.555,56 € vorzunehmen.

Die innerbilanzielle Korrektur liegt damit bei 30 .555,56 €. 

Da eine temporäre Differenz vorliegt, entsteht eine aktive latente Steuer in Höhe von 

aktive latente Steuer = 0,3*30.555,56 = 9.166,67 €. 

Diese darf handelsrechtlich angesetzt werden, muss aber nicht (§ 274 I 2 HGB). Man rechnet sich im Falle ihres Ansatzes reicher, im Falle des Nichtansatzes ärmer.

 

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