Drohverlustrückstellungen

Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften sind handelsrechtlich passivierungspflichtig (§ 249 I 1, 2. Altern. HGB), steuerrechtlich allerdings nicht. Vielmehr besteht steuerrechtlich ein Passivierungsverbot auf Drohverlustrückstellungen (§ 5 IVa S. 1 EStG). Dies führt dazu, dass handelsrechtlich ein Aufwand vorweggenommen (= antizipiert) wird, was steuerrechtlich nicht geschieht. Steuerrechtlich erfolgt die Verrechnung der Aufwendung frühestens, wenn überhaupt, in der Periode danach. Dies führt dann zum einen 

– zu einer Berücksichtigung in der Korrekturrechnung nach § 60 II EStDV, zum anderen 

– zur Bildung von i.A. aktiven latenten Steuern.

Beispiel: 

Die X-AG aus Bochum verrechnet eine Drohverlustrückstellung in Höhe von 10.000 € in der Handelsbilanz. Der Steuersatz der X-AG liegt bei 30 %. Die X-AG erstellt keine Steuerbilanz. 

Steuerrechtlich ist diese Art von Rückstellung, nämlich die Drohverlustrückstellung, von einem Passivierungsverbot erfasst, § 5 IVa S. 1 EStG. Wenn keine Steuerbilanz erstellt wird, ist eine Überleitungsrechnung nach § 60 EStDV vonnöten. Die handelsrechtlich gebildete Aufwendung in Höhe von 10.000 € führt dazu, dass der handelsrechtliche Jahresüberschuss damit um 10.000 € unterhalb des steuerrechtlich richtigen Jahresüberschusses liegt, weshalb eine Korrektur in der Überleitungsrechnung nach oben zu erfolgen hat. Außerdem ist eine aktive latente Steuer entstanden in Höhe von 0,3*10.000 = 3.000 €, die aktiviert werden darf in der Handelsbilanz, aber nicht muss (§ 274 I 2 HGB). 

Beispiel: 

Im Jahre 2020 hatte die Jean-Claude-AG aus Kaarst (NRW) eine Drohverlustrückstellung in Höhe von 20.000 Euro gebildet. Die steuerrechtliche Behandlung war im Jahr 2020 korrekt erfolgt. Im Jahre 2021 kommt es schließlich zur tatsächlichen Realisierung des Verlustes.

Im Jahre 2020 kommt das handelsrechtlich zu einem Aufwand, steuerrechtlich aber nicht ( denn wegen der erwähnten korrekten steuerlichen Behandlung wird es im Rahmen der Überleitungsrechnung zu einer Korrektur nach oben kommen, § 60 II EStDV. Im Jahre 2021 wird die Realisierung des Verlustes handelsrechtlich erfolgsneutral gebucht, steuerrechtlich hingegen erfolgswirksam, denn der Aufwand wird wegen des Passivierungsverbots einer Drohverlustrückstellung nach § 5 IVa S. 1 EStG erst im Jahre der  tatsächlichen Realisierung des Aufwands steuerrechtlich als “Aufwendung” gebucht.

Es kommt folglich diesmal im Jahr 2021 zu einer Korrektur des handelsrechtlichen Jahresüberschusses nach unten (!), ganz im Gegenteil zu der Behandlung von eben.

 

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