Sachanlagen – Leasing

Leasing ist eine spezielle Form der Miete, bei der möglicherweise eine Kaufoption oder eine Mietverlängerungsoption existiert. Fraglich ist, ob der Leasingnehmer oder der Leasinggeber das geleaste Wirtschaftsgut zu aktivieren hat. Dies wird entschieden durch den Leasingerlass. Wir besprechen ihn und die buchhalterischen Konsequenzen an einem

Beispiel:

Die Produktions-GmbH aus Wanne-Eickel least eine Maschine bei der Leasing-AG aus Dortmund. Die Leasing-AG lässt die Maschine extra für die Produktions-GmbH  bei der Z-AG aus Düsseldorf anfertigen. Die Anschaffungskosten der Leasing-AG liegen bei 2.100.000 €, die Maschine hat eine Nutzungsdauer von acht Jahren. Mit der Produktions-GmbH wird eine Leasinglaufzeit von sechs Jahren vereinbart, die Leasingrate liegt bei 400.000 € jährlich, außerdem erfolgt eine Sonderzahlung der Produktions-GmbH in Höhe von 100.000 €. Am Vertragsende hat die Produktions-GmbH die Option, die Maschine zu kaufen zu einem Preis von 40.000 €. Bisher wurde von der Produktions-GmbH gebucht

Sonstiger betrieblicher Aufwand 100.000 €  an Bankgiro 100.000 €. 

Wir gehen das Thema Leasing anhand der folgenden Vorgehensweise durch.

LAMBERT-KOCHREZEPT LEASING:

1. Wer muss den Leasinggegenstand aktivieren? Der Leasingnehmer oder der Leasinggeber? LAMBERT-TIPP: in den Klausuren ist es meistens der Leasingnehmer, da dann die Aufgabe deutlich schwieriger ist als wenn sie beim Leasinggeber läge. Zur korrekten Entscheidung vgl. den Leasingerlass.

2. Gehe im Folgenden davon aus, dass das geleaste Wirtschaftsgut beim Leasingnehmer zu aktivieren ist.

3. Die erste Bewertung des geleasten Wirtschaftsguts erfolgt zu seinen Anschaffungskosten. Weiterhin ist eine Verbindlichkeit in derselben Höhe auszuweisen.

4. Für die Folgebewertung das geleasten Wirtschaftsguts wird die planmäßige Abschreibung gebildet durch Division der Anschaffungskosten durch die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts. Es resultiert der Bilanzansatz des geleasten Wirtschaftsguts am Jahresende.

5. Alsdann wird die Leasingrate pro Jahr aufgeteilt auf

– einen Aufwandsanteil (=  Zins- und Kostenanteil) und  

– einen Tilgungsanteil der Verbindlichkeit.

6. Der Zins- und Kostenanteil berechnet sich insgesamt (!) als

 Zins- und Kostenanteil_insg. = Summe der Leasingraten –  Anschaffungskosten des Wirtschaftsguts.

7. Der Zins- und Kostenanteil des ersten Jahres ist dann aus dem Zins- und Kostenanteil insgesamt durch Heranziehung der Zinsstaffelmethode zu kalkulieren:

 Zins- und Kostenanteil_erstes Jahr = Zins- und Kostenanteil_insg.*(n/(1 + 2 + 3 + … + n)

8. Für das erste Jahr berechnet sich dann der Tilgungsanteil als Differenz aus der Leasingrate des ersten Jahres und dem Zins- und Kostenanteil des ersten Jahres. Man erhält daraus die Zerlegung der Leasingrate aus Schritt 5.

9. Der Bilanzansatz der Verbindlichkeit am Ende des ersten Jahres kalkuliert sich als Erstbewertung der Verbindlichkeit abzgl. der Tilgungsrate des ersten Jahres.

10. Die Sonderzahlung wird in einen aktiven Rechnungsabgrenzungsposten gebucht, denn es handelt sich um eine Ausgabe im jetzigen Jahr und einen Aufwand in einer bestimmten Zeit der Zukunft.

11. Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten wird sodann abgeschrieben mit der Zinsstaffelmethode. Die Abschreibung des ersten Jahres liegt dann bei

AB1 = ARAP*n/(1 + 2 + 3 + … + n), 

die Abschreibung des zweiten Jahres entsprechend bei 

AB2 = ARAP*(n – 1)/(1 + 2 + 3 + … + n) usw.

Man rechnet folglich hier folgendermaßen.

1. Zunächst ist zu entscheiden, wer die Maschine aktivieren muss. Da es sich um Spezialleasing handelt, muss hier der Leasingnehmer aktivieren.

2. Die Maschine wird erstbewertet zu ihren Anschaffungskosten, also zu 2.100.000 €. Da die Summe der Leasingraten bei Summe_Leasingraten = 6*400.000 = 2.400.000 € liegt und dieser Wert größer ist als die Anschaffungskosten von 2.100.000 €, handelt es sich um ein Full- Payment Leasing. gebucht wird hier

technische Anlagen und Maschinen 2.100.000 € an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 2.100.000 €. 

alternativ wäre übrigens auch möglich der Buchungssatz

technische Anlagen und Maschinen 2.100.000 €

aktivische Rechnungsabgrenzungsposten 300.000 € an  Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 2.400.000 €.

3. Für die Folgebewertung der Maschine wird die planmäßige Abschreibung ausgerechnet als AK/ND = 2.100.000/8 = 262.500 €. Der Bilanzansatz am 31.12. des ersten Jahres liegt damit bei 1.837.500 €.

4. Die Leasingrate von jährlich 400.000 € ist nun zu zerlegen in einen

– Zins- und Kostenanteil und in einen

– Tilgungsanteil

5. Der Zins- und Kostenanteil insgesamt wird ausgerechnet als Differenz aus der Summe der Leasingraten und den Anschaffungskosten, also als

Zins- und Kostenanteil insgesamt = 6*400.000 – 2.100.000 = 2.400.000 – 2.100.000 = 300.000 €.

6. Der Zins- und Kostenanteil des ersten Jahres liegt damit bei

Zins- und Kostenanteil_Jahr1 

= Zins- und Kostenanteil_insg.*(n/(1 + 2 + … + n)) 

= 300.000*(6/(1 + 2 + … + 6)) 

= 300.000*(6/21)

= 85.714,29 €.

9. Der Tilgungsanteil des ersten Jahres beträgt damit Tilgung_Jahr1 = 400.000 – 85.714,29 = 314.285,71 €. Damit lautet die Zerlegung der Leasingrate aus Schritt 5: Leasingrate = 400.000 €,

– davon Zins- und Kostenanteil 85.714,29 € und 

– Tilgungsanteil 314.885,71 €.

10. Die Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen beträgt damit am Ende des Jahres nur noch 2.100.000 – 314.285,71 = 1.785.714,29 €.

Der Buchungssatz lautet 

Zins und ähnliche Aufwand 85.714,29 €

Verbindlichkeiten aus Lieferungen 

und Leistungen 314.285,71 € an  Bankgiro 400.000 €

11. Die Sonderzahlung wird als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten eingebucht zu 100.000 € und mit der Zinsstaffelmethode abgeschrieben. Die Abschreibung des  ersten Jahres liegt bei

Abschreibung_1 = ARAP*n/(1 +  2 + … + n) = 100.000*6/(1 + 2 + … + 6) = 100.000*6/21 = 28.571,43 €. 

Der Restbuchwert des aktivischen Rechnungsabgrenzungsposten am Jahresende beträgt damit noch 71.428,57 €. 

Der Korrekturbuchungssatz zur Aufgabenstellung lautet damit 

Zins und ähnlicher Aufwand 28.571,43 € 

aktivische Rechnungsabgrenzungsposten 71.428,57 €     an sonstige betrieblicher Aufwand 100.000 €.

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