Sachanlagen – Maschinen

Im Sachanlagevermögen gibt es den “Normalfall” und Spezialfälle, wie z.B. Grund und Boden, Leasing als auch geringwertige Wirtschaftsgüter. Wir werden den Normalfall zuerst in diesem Kapitel behandeln. Die Themen Grund und Boden, Leasing als auch geringwertige Wirtschaftsgüter werden in eigenen, speziellen Kapiteln besprochen.

Beispiel:

Die X-AG aus Bochum erwirbt am 3.5.2021 eine Maschine für einen Preis von 2.000 € netto. Es wird vom Anbieter ein Rabatt in Höhe von 2 % gewährt.  Bei Zahlung innerhalb der nächsten 20 Tage darf zusätzlich, auf den Nettobetrag bezogen, ein Skonto von 3 % abgezogen werden. Es entstehen Fundamentierungskosten in Höhe von 500 €. Um die Maschine in Gang setzen zu können, muss diese noch installiert werden, was von eigenen Mitarbeitern am 20.06.2021 erledigt wird. Die Arbeiter, die hierfür eingesetzt werden, haben im betreffenden Zeitraum ein Gehalt von anteilig 300 € erhalten. Am 30.6.2021 ist die Maschine dann betriebsbereit. Sie wird am 4.8.2021 von der X-AG bezahlt. Die Nutzungsdauer der Maschine liegt bei fünf Jahren.

Beim Ansatz ist zu klären, ob die Maschine aktiviert wird oder nicht. Hierbei ist nach den handelsrechtlichen Grundsätzen vorzugehen und nur dann, wenn steuerrechtliche Aktivierungsverbote (oder theoretisch -wahlrechte) dem entgegenstehen sollten, eine andere Bilanzierungsweise zu wählen. In der vorliegenden Aufgabe steht nichts der Aktivierung entgegen (§ 246 I 1 HGB), die Maschine gehört, da sie dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen soll, zum Anlagevermögen (§ 247 II HGB). 

Bei der Bewertung geht es um die Frage, in welche Höhe etwas in der Bilanz erscheint. Hierbei ist zwischen Erstbewertung und Folgebewertung zu unterscheiden. 

Bei der Erstbewertung geht es um die Bemessung der Anschaffungskosten, denn die Maschine ist zunächst zu ihrem Anschaffungskosten zu aktivieren (§ 6 I Nr. 1 S. 1 EStG). 

LAMBERT-METHODE:

Man beachte den Unterschied in den grundsätzlich wichtigen Paragraphen der  steuerlichen Erstbewertung. In § 6 I Nr. 1 EStG werden all jene Wirtschaftsgüter erfasst, die zum abnutzbaren (!) Anlagevermögen gehören. Hingegen geht es im § 6 I Nr. 2 EStG um jene Wirtschaftsgüter, die zum Umlaufvermögen gehören bzw. die nicht abnutzbares Anlagevermögen sind. Zu letzterem gehören das Finanzanlagevermögen als auch Grundstücke.

Die Anschaffungskosten berechnet man nach § 255 I HGB mit der Formel

Anschaffungspreis

abzgl. Anschaffungspreisminderungen 

zzgl. Anschaffungsnebenkosten

zzgl. nachträgliche Anschaffungskosten

= Anschaffungskosten

Bei den Anschaffungsnebenkosten geht es um all jenes, was notwendig ist, um das Wirtschaftsgut in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen wie. z.B. Fundamentierungskosten, Transportkosten bzw. notwendige Versicherungen. Im vorliegenden Beispiel wird der Skonto nicht in Anspruch genommen, weshalb er auch nicht abgezogen werden darf. Der Rabatt hingegen wird in Abzug gebracht. 

das Gehalt der Mitarbeiter ist nicht einzeln der Installation der Maschine zuordenbar, Da aber in § 255 I HGB gefordert wird, dass es sich bei den Anschaffungskosten um Einzelkosten handelt, dürfen diese Gehälter nicht zugeordnet werden, denn sie sind Gemeinkosten. Man rechnet hier also für die Erstbewertung 

Anschaffungskosten = Anschaffungspreis – Anschaffungspreisminderungen +  Anschaffungsnebenkosten + nachträgliche Anschaffungskosten 

= 2.000 – 0,02*2.000 + 500 

= 2.000 – 40 + 500 

= 2.460 €. 

Nach der Erstbewertung geht es um die Folgebewertung. Hierbei wird das Wirtschaftsgut um Absetzungen für Abnutzung (handelsrechtlich sind dies die planmäßigen Abschreibungen) vermindert, wenn es ein abnutzbares Wirtschaftsgut ist. In bestimmten Fällen kann (!) zusätzlich eine sog. Teilwertabschreibung (handelsrechtlich sind dies die außerplanmäßigen Abschreibungen) durchgeführt werden. Auch ein Wertaufholungsgebot (handelsrechtlich durch die Zuschreibungen ausgedrückt) existiert steuerrechtlich. 

Die Absetzungen für Abnutzung werden verlangt in § 6 I Nr. 1 S. 1 EStG. Sie werden dann konkretisiert in § 7 I 1 EStG und haben grundsätzlich linear (nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer, § 7 I 2 EStG) und monatsgenau (§ 7 I 4 EStG) zu erfolgen. 

LAMBERT-METHODE:

Die Nutzungsdauer, in Jahren bemessen, dürfte in Klausuren nicht das Problem sein. Fraglich ist allerdings, wie viele Monate monatsgenau abzuschreiben ist. Hierfür ist wichtig R 7.4 EStR

Die AfA ist hiernach vorzunehmen, sobald ein Wirtschaftsgut angeschafft oder hergestellt ist (R 7.4 I 1 EStR). Der Zeitpunkt der Anschaffung liegt hierbei im Zeitpunkt der Lieferung des Wirtschaftsguts (R 7.4 I 2 EStR). Wenn das Wirtschaftsgut noch montiert wird und dies Gegenstand des Kaufvertrags ist, so unterscheidet man in 

– die Montage durch den Verkäufer und 

– die Montage durch den Steuerpflichtigen. 

Bei der Montage durch den Verkäufer ist das Wirtschaftsgut erst dann geliefert und also angeschafft, wenn die Montage beendet ist. Wird hingegen die Montage durch  den Steuerpflichtigen selbst durchgeführt, so ist das Wirtschaftsgut bereits bei Übergang der wirtschaftlichen Verfügungsmacht geliefert.

Beispiel:

Eine Maschine wird am 2.2.2021 gekauft für einen Betrag von 120,000 € netto. Sie hat eine Nutzungsdauer von zehn Jahren.

a) Im Kaufvertrag wird vereinbart, dass die Montage am 5.3.2021 durch den Lieferer durchgeführt wird. Dies geschieht auch, wie vertraglich vereinbart.

b) Im Kaufvertrag wird keine Montage durch den Lieferer vereinbart, vielmehr erfolgt die Montage am 5.4.2021 durch den Steuerpflichtigen selbst.

Zu a) Der lineare Abschreibungsbetrag liegt bei 120.000/10 = 12.000 €. Da die Montage durch den Verkäufer durchgeführt wird, wird die Maschine für das Jahr 2021 abgeschrieben über einen Zeitraum von zehn  Monaten, nämlich ab dem März 2021 (R 7.4 I 3 EStR). Die Jahresabschreibung für 2021 beträgt damit 12.000*(10/12) = 10.000 €, der Restbuchwert am 31.12 2021 liegt folglich bei 110.000 €. 

Zu b) Wenn die Montage durch den Steuerpflichtigen selbst (bzw. in dessen Auftrag durch einen Dritten) durchgeführt wird, wie dies hier der Fall ist, so wird folglich erst ab dem April 2021 abgeschrieben (R 7.4 I 4 EStR) und damit über einen Zeitraum von lediglich neun Monaten. Die Abschreibung liegt damit bei 12.000*(9/12) = 12.000*(3/ 4) = 9.000 €, der Restbuchwert am 31.12 2021 folglich bei 111.000 €. 

Machen wir weiter in unserem ursprünglichen Beispiel der X-AG aus Bochum. Hier liegen die Anschaffungskosten bei 2.460 €, die Nutzungsdauer beträgt fünf Jahre und beträgt die Jahresabschreibung 2.460/5 = 492 €. Da die Montage durch den Steuerpflichtigen selbst im Juni 2021 erfolgt, wird im Jahr 2021 über einen Zeitraum von sieben Monaten, nämlich ab dem Juni, abgeschrieben. Die Jahresabschreibung im ersten Jahr beträgt damit 492*(7/12) = 287 €, der Restbuchwert liegt am 31.12.2021 folglich bei 2.460 – 287 = 2.173 €.

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