StB – Immaterielle Wirtschaftsgüter – Goodwill

Für den derivativen Geschäfts- oder Firmenwert (= Goodwill) besteht handelsrechtlich als auch steuerrechtlich eine Aktivierungspflicht. Das heißt also, dass bezüglich des Ansatzes keine Unterschiede zwischen Handels- und Steuerrecht existieren. Bei der Folgebewertung existiert ein entscheidender Unterschied zwischen Handels- und Steuerrecht: handelsrechtlich wird der Goodwill entweder über die bekannte Nutzungsdauer abgeschrieben (§ 253 III 1, 2 HGB)  oder aber, wenn die Nutzungsdauer nicht bekannt ist, über eine fiktive Nutzungsdauer von zehn Jahren (§ 253 III 4 HGB). Steuerrechtlich hingegen liegt die Nutzungsdauer stets fiktiv bei 15 Jahren (§ 7 I 4 EStG).

Beispiel

Aus einem Unternehmenskauf am 4.3.2021 ergibt sich ein derivativer Goodwill in Höhe von 3.000.000 €. 

Da in der Aufgabenstellung nichts über eine Nutzungsdauer ausgesagt ist, wird der Goodwill handelsrechtlich über zehn Jahre verteilt (§ 253 III 4 HGB). Speziell im Jahr 2021 lautet die handelsrechtliche planmäßige Abschreibung deshalb [3.000.000/10]*(10/12) = 300.000*(10/12) = 250.000 €. Steuerrechtlich muss hingegen über 15 Jahre abgeschrieben werden, die jährliche Absetzung für Abnutzung liegt deshalb bei AfA = 3.000.000/15 = 200.000 €. Im ersten Jahr 2021 wird deshalb steuerlich ein Betrag von 200.000*(10/12) = 166.666,67 €  abgeschrieben.

Die Restbuchwerte betragen deshalb am 31.12.2021 handelsrechtlich 2.750.000 €  und steuerrechtlich 2.833.333,33 €. Es muss folglich in der Überleitungsrechnung nach § 60 II EStDV eine Korrektur nach oben erstellt werden in Höhe der Differenz der Abschreibungsbeträge (bzw. in Höhe der Differenz der Restbuchwerte), also in Höhe von 83.333,33 €. 

LAMBERT-REGEL:

Wir unterscheiden zwei Fälle: 

– handelsrechtliche Nutzungsdauer < 15 und

– handelsrechtliche Nutzungsdauer > 15. 

Wenn die handelsrechtliche Nutzungsdauer kleiner ist als 15 Jahre, so wird handelsrechtlich mehr abgeschrieben als steuerrechtlich und folglich ist der  handelsrechtliche Jahresüberschuss kleiner als der steuerrechtliche. In der Überleitungsrechnung nach § 60 II EStDV erfolgt deshalb eine Korrektur nach oben.  Sollte die handelsrechtliche Nutzungsdauer größer sein als 15 Jahre, so würde handelsrechtlich weniger abgeschrieben als steuerrechtlich, der handelsrechtliche Jahresüberschuss wäre größer als der steuerrechtliche und in der Überleitungsrechnung käme es zu einer Korrektur nach unten.

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