Steuerbilanzen – Finanzanlagen

Handelsrechtlich existiert für das Finanzanlagevermögen das gemilderte Niederstwertprinzip in der Ausgestaltung, dass schon bei einer nur vorübergehenden Wertminderung außerplanmäßig abgeschrieben werden darf, aber nicht muss (§ 253 III 6 HGB). Steuerrechtlich ist hier die Regelung anders. Der § 6 I Nr. 2 S. 2 EStG  besagt, dass eine dauernde (!) Wertminderung vorliegen muss, damit der Steuerpflichtige ein Wahlrecht (!) zur Teilwertabschreibung hat.

Beispiel:

Die X-AG aus Bochum kauft  am 2. März 2021 aus Beteiligungszwecken 1000 Aktien der Y-AG aus Dortmund für einen Anschaffungspreis von 5 € pro Stück. Am 31.12.2021 sind die Aktien lediglich noch 4 € wert. Am Bilanzerstellungstag, dem 31.3.2022, liegt der Wert bei 4,80 €. Steuerrechtlich kann man davon ausgehen, dass die Wertminderung dauernd ist.

Die Aktien gehören zum Anlagevermögen, denn sie dienen wegen des Beteiligungszwecks dauernd dem Geschäftsbetrieb (§ 247 II HGB). Handelsrechtlich darf eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 1.000(5 – 4) = 1.000*1 = 1.000 € vorgenommen werden (§ 253 III 6 HGB). Wenn man sich handelsrechtlich arm rechnen soll, so muss diese außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden, wenn man sich handelsrechtlich reich rechnen muss in der Prüfung, so darf diese außerplanmäßige Abschreibung nicht vorgenommen werden. Steuerrechtlich ist zunächst zu prüfen, ob die Wertminderung dauernd ist oder nicht. Da in der Aufgabenstellung enthalten war, dass sie dauernd ist, ist hier ausnahmsweise nicht das BMF-Schreiben vom 2. September 2016 zu prüfen. Steuerrechtlich darf man  also  eine Teilwertabschreibung von 1.000 € vornehmen.

LAMBERT-METHODE:

Man beachte, dass für das Finanzanlagevermögen nicht etwa § 6 I Nr. 1 EStG “zuständig” ist, sondern vielmehr § 6 I Nr. 2 EStG. Dies liegt daran, dass in § 6 I Nr. 1 EStG nur jene Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, welche abnutzbar sind, Erwähnung finden, hingegen in § 6 I Nr. 2 EStG nur jene Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, welche nicht abnutzbar sind und zusätzlich das Umlaufvermögen behandelt werden.

Die Frage, was unter einer dauernden Wertminderung zu verstehen ist, wurde handelsrechtlich dahingehend beantwortet, dass die Wertminderung, welche am Bilanzstichtag existierte, bis zum Bilanzerstellungstag anhalten musste, damit sie als dauernd anzusehen ist.

Steuerrechtlich hingegen ist die Frage, ob eine dauernde Wertminderung vorliegt, vollkommen anders zu beantworten, nämlich stets unter Beachtung des BMF-Schreibens vom 2. September 2016.

LAMBERT-METHODE:

Im BMF-Schreiben vom 2.92016 dreht es sich einzig und allein um die Frage, wann eine Wertminderung “steuerrechtlich dauernd” ist und wann nicht. Die Struktur des Schreibens ist für die Wirtschaftsgüter des Anlage- bzw. Umlaufvermögens ein wenig durcheinander, man muss sich oft ein wenig durchsuchen. Wichtig ist insb.,  dass das Schreiben voller Beispiele ist, weshalb man vor der Prüfung unbedingt das BMF-Schreiben gelesen haben sollte. In der Prüfung erhält man es nämlich nur auszugsweise und möglicherweise ohne die sehr guten Beispiele.

So ist z.B. das Finanzanlagevermögen zu finden in den Textziffern 17 bis 20b. Man geht von einer voraussichtlich dauernden Wertminderung aus, wenn der Börsenwert zum Bilanzstichtag unter denjenigen im Erwerbszeitpunkt gesunken ist und der Kursverlust die Bagatellgrenze von 5 % der Notierung bei Erwerb überschreitet.

Beispiel:

Die X-AG aus Bochum kauft  am 2. März 2021 aus Beteiligungszwecken 1000 Aktien der Y-AG aus Dortmund für einen Anschaffungspreis von 5 € pro Stück. Am 31.12.2021 sind die Aktien lediglich noch 4 € wert. Am Bilanzerstellungstag, dem 31.3.2022, liegt der Wert bei 4,80 €. 

Handelsrechtlich ist der Wert von 5 € auf 4 € gefallen. Für die Frage, ob die Wertminderung handelsrechtlich dauernd ist oder nur vorübergehend, wird danach auf das Verhalten am Bilanzerstellungstag geschaut. Hier ist es so, dass die Wertminderung um 1 € nur vorübergehend ist und eine Wertminderung von lediglich 20 Cent dauernd. Steuerrechtlich hingegen schaut man nicht auf das Verhalten am Bilanzerstellungstag, sondern vielmehr auf die o.e. Bagatellgrenze von 5 %. Der Kursrückgang von 5 € auf 4 € stellt prozentual einen Kursrückgang von (5 – 4)/5 = ⅕ = 20 % dar. Dieser Kursrückgang ist größer als 5 %, die Bagatellgrenze ist überschritten. Damit ist die Wertminderung “dauernd” nach BMF-Schreiben. Folglich besteht ein Wahlrecht der Teilwertabschreibung auf 4 €. Wenn man sich steuerrechtlich arm rechnen soll, so würde man dieses Wahlrecht ausüben, wenn man sich steuerrechtlich reich rechnen soll, so würde man das Wahlrecht der Teilwertabschreibung nicht ausnutzen.

Beispiel:

Die X-AG aus Bochum kauft  am 2. März 2021 aus Beteiligungszwecken 1000 Aktien der Y-AG aus Dortmund für einen Anschaffungspreis von 5 € pro Stück. Am 31.12.2021 sind die Aktien lediglich noch 4,90 € wert. Bis zum Bilanzerstellungstag am 31 März 2021 verbleibt der Wert auf dieser Höhe.

Die Wertminderung beträgt, bezogen auf den alten Wert, (4,9 – 5)/5 = (0,1)/5 = 2 %. Da dieser Wertverlust von 2 % kleiner ist als die Bagatellgrenze von 5 %, ist die Wertminderung nach BMF-Schreiben vom 2.9.2016, Tz. 20, nicht dauernd. Steuerrechtlich darf deshalb keine Teilwertabschreibung auf 4,90 € vorgenommen werden, der Buchwert am 31.12.2021 beträgt weiterhin steuerrechtlich 5 €. Wenn handelsrechtlich auf 4,90 € (außerplanmäßig) abgeschrieben worden sein sollte (was möglich ist wegen des Wahlrechts für das Finanzanlagevermögen nach § 253 III 6 HGB), so würde in einer Korrekturrechnung nach § 60 II EStDV eine Hinzurechnung um 0,1*1.000 = 100 €  erfolgen. Wenn handelsrechtlich nicht außerplanmäßig abgeschrieben worden sein sollte, so ist keine Korrektur nach § 60 II EStDV vonnöten.

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