Verbindlichkeiten aus Fremdwährungsgeschäften

Die Bewertung von Fremdwährungsgeschäften ist geregelt in § 256a HGB.

LAMBERT-KOCHREZEPT VERSTÄNDNIS § 256a HGB :

Hier geht man folgendermaßen vor und betrachtet das Zusammenspiel und die mögliche Konkurrenz vierer unterschiedlicher Vorschriften:

  1. Realisationsprinzip, § 252 I Nr. 4 HGB,
  2. Höchstwertprinzip, § 253 I 1 HGB,
  3. Umrechnung zum  Wechselkurs am Bilanzstichtag, § 256 S. 1 HGB
  4. Bei Konflikten zwischen (1. und 2) auf der einen Seite und 3. auf der anderen Seite entscheidet dieser vierte Punkt folgendermaßen: bei einem kurzfristigen Geschäft gewinnt 3., d.h. die Umrechnung erfolgt zum Stichtagskurs, bei einem langfristigen Geschäft hingegen gewinnen 1. und 2., d.h. die Umrechnung erfolgt nicht zum Stichtagskurs.

Wir hatten uns des Themas Fremdwährungsgeschäfte bereits bei den Forderungen aus Fremdwährungsgeschäften angenommen. Hier, also bei den Verbindlichkeiten aus Fremdwährungsgeschäften, erfolgt gewissermaßen eine spiegelbildliche Sichtweise. 

Beispiel:

Die X-AG aus Sindelfingen kauft am 1.12.2021 Ware von der Wladimir Wladimirowitsch Ltd. aus Moskau zu einem Wert von 20.000 Rubel. Der Wechselkurs liegt am 1.12 2021 bei 70  Rubel für 1 €. Am 31.12 2021 bewegt sich der Wechselkurs auf 75 Rubel pro Euro. 

Am ersten zwölf 2011 beträgt der Wert der Waren, in Euro gerechnet, 

Wert_1.12.2021 = 20.000 R / (70 R/€) = 285,71 €. Einen Monat später, also am Bilanzstichtag, beträgt der Wert lediglich noch

Wert_31.12.2021 = 20.000 R / (75 R/€) = 266,67 €. 

Fraglich ist nun, ob die Verbindlichkeit aus der Warenlieferungen zu 285,71 € oder lediglich zu 266,67 € zu bewerten ist. 1., also das Realisationsprinzip, würde die Verbindlichkeit zu 285,71 € bewerten und nicht darunter.

LAMBERT-METHODE:

Man beachte, dass eine höhere Bewertung über die Anschaffungskosten hinaus auf der Aktivseite einen Verstoß gegen das Realisationsprinzip darstellt und auf der Passivseite hingegen eine niedrigere Bewertung unter die erstmalige Bewertung einen Verstoß gegen das Realisationsprinzip und das Höchstwertprinzip darstellt. Das Höchstwertprinzip ist auf der Aktivseite als “nicht höher als” zu verstehen, auf der Passivseite hingegen als “nicht niedriger als”.

2., also das Höchstwertprinzip, wird ebenfalls die Verbindlichkeit zu 285,71 € bewerten. 3., also die Umrechnung zum Stichtagskurs, sieht hingegen die Verbindlichkeit bei 266,67 €. Zu Punkt4. Es kommt mithin zu einem Konflikt zwischen der Bewertung nach 1. und 2. auf der einen Seite sowie 3. auf der anderen. Dieser Konflikt wird nach 4. dadurch gelöst, dass die Bewertung nach 3. gewinnt, denn ein kurzfristiges Geschäft ist vorliegend.

Beispiel:

Die X-AG aus Sindelfingen leiht sich am 1.12.2021 von der Wladimir Wladimirowitsch Ltd. aus Moskau einen Betrag von 20.000 Rubel, den sie in zwei Jahren wird zurückzahlen müssen. Der Wechselkurs liegt am 1.12 2021 bei 70  Rubel für 1 €. Am 31.12 2021 bewegt sich der Wechselkurs auf 75 Rubel pro Euro.

1. und 2., also das Realisations- als auch das Höchstwertprinzip, werden die Verbindlichkeit bei 285,71 € sehen. Punkt 3 hingegen, also die Umrechnung zum Stichtagskurs, wird eine Bewertung zu 266,67 € vornehmen. Mit anderen Worten kommt es zu einem Konflikt zwischen 1. und 2. auf der einen Seite und 3. auf der anderen. Dieser Konflikt wird nach 4. dadurch gelöst, dass eine Bewertung, weil es sich um ein langfristiges Geschäft handelt, zu dem ursprünglichen Erfüllungsbetrag von 266,67 € erfolgt.

 

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