Wertpapiere des Umlaufvermögens

Wertpapiere des Umlaufvermögens sind dadurch charakterisiert, dass sie nicht dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen sollen (§ 247 II HGB Umkehrschluss). Sie werden also aus Spekulationsgründen angeschafft, nicht aus Gründen der Beteiligung.

Den Ansatz, Ausweis und die Bewertung von Wertpapieren erläutern wir an einem  konkreten Beispiel.

Beispiel:

Die X-AG kauft 100 Aktien der Y-AG  zum Preis von jeweils 20 €. Hinzu kommen Nebenkosten von 1 %. Sie kauft die Aktien der Y-AG zur kurzfristigen Liquiditätsanlage.

Zum Ansatz der Wertpapiere ist zu sagen, dass die abstrakte Aktivierungsfähigkeit gegeben ist, mit anderen Worten Vermögensgegenstände vorliegen, weil die Wertpapiere selbständig bewertbar, selbstständig verwertbar sind und außerdem einen konkreten Nutzen stiften. Ein Aktivierungsverbot liegt nicht vor, ein Aktivierungswahlrecht ist nicht vorhanden. Es liegt, mit anderen Worten, eine konkrete Aktivierungsfähigkeit und also ein Aktivierungsgebot, eine Aktivierungspflicht, vor (§ 246 I 1 HGB). Nach § 247 II HGB (Umkehrschluss) gehören die Aktien zum Umlaufvermögen, denn sie gehören nicht dauernd zum Geschäftsbetrieb.

Der Ausweis erfolgt im Umlaufvermögen unter „sonstige Wertpapiere“, § 266 II B III 2 HGB § 266 II A II HGB.

Die Bewertung der Wertpapiere zerfällt in 

– Erstbewertung und 

– Folgebewertung.

Die Erstbewertung erfolgt nach § 253 I 1 HGB zu Anschaffungskosten. Diese liegen nach § 255 I HGB bei  

Anschaffungskosten =  Anschaffungspreis – Anschaffungspreisminderungen + Anschaffungsnebenkosten +  nachträgliche Anschaffungskosten

 = 100*20 + 0,01*100*20 = 2.000 + 20 = 2.020 €. 

Beispiel: 

Die X-AG kauft 100 Aktien der Y-AG  zum Preis von jeweils 20 €. Hinzu kommen Nebenkosten von 1 %. Sie kauft die Aktien der Y-AG zur kurzfristigen Liquiditätsanlage. Am Jahresende sind die Aktien lediglich noch 18 € wert. Zur Bilanzerstellung am 31. März des Folgejahres hat sich der Aktienkurs auf 23 € pro Stück erholt.

Es ist im vorliegenden Beispiel die Folgebewertung zu kalkulieren. Da die Aktien zum Umlaufvermögen gehören, weil sie nicht dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen (§ 247 II HGB Umkehrschluss), ist das strenge Niederstwertprinzip des § 253 IV 1 HGB  anzuwenden. Dies bedeutet, dass schon bei einer nur vorübergehenden Wertminderung eine außerplanmäßige Abschreibung durchzuführen ist. Im vorliegenden Beispiel handelt sich tatsächlich um lediglich eine vorübergehende Wertminderung auf 18*1,01 = 18,18 €, denn der Aktienkurs erholt sich im Nachhinein wieder auf 23 € und steigt damit sogar über die historischen Anschaffungskosten. Wir müssen eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 2,02 € durchführen, damit der Buchwert der Aktien beim beizulegenden Wert von 18*1,01 = 18,18 € liegt:

außerplanmäßige Abschreibung 2,02 € an  Wertpapiere des Umlaufvermögens 2,02 €. 

Im folgenden Geschäftsjahr wird, sofern der Wert der Wertpapiere bei 23 € bleibt, die außerplanmäßige Abschreibungen im Rahmen einer  Wertaufholung (= Zuschreibung) wieder rückgängig gemacht werden, § 253 V 1 HGB. Dabei dürfen allerdings die historischen Anschaffungskosten von 20,20 € nicht überschritten werden wegen des Höchstwertprinzip des § 253 I 1 HGB. Man wird daher im Folgejahr buchen

Wertpapiere 2,02 € an sonstiger betrieblicher Ertrag 2,02 €.

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