Dis­agio als spe­zi­el­ler akti­vi­scher Rechnungsabgrenzungsposten

Ansatzwahlrecht für das Damnum

Wenn der Rück­zah­lungs­be­trag bei einem Kre­dit höher ist als der Aus­zah­lungs­be­trag und sich aber der (Nominal-)Zins auf den Rück­zah­lungs­be­trag bezieht, so liegt ein sog. Dis­agio (= Dam­num) vor. 

Bei­spiel:

Der Unter­neh­mer Fritz aus Bochum nimmt einen Kre­dit in Höhe von nomi­nal 6.000 € auf, aus­ge­zahlt wer­den ihm aller­dings nur 5.700 €. Nach drei Jah­ren muss der Kre­dit in einer Sum­me zurück­ge­zahlt wer­den. Der Nomi­nal­zins beträgt 3 %.

a) Wie lau­tet die Zahlungsreihe?

b) Wie ist die buch­hal­te­ri­sche Vor­ge­hens­wei­se nach Handelsrecht?

a) Im Jahr 0, also zu Beginn, wer­den von der Bank 5.700 € aus­ge­zahlt. Ein Jahr spä­ter muss ein Zins von 0,03*6.000 = 180 € an das Kre­dit­in­sti­tut ent­rich­tet wer­den. Da die Schuld­sum­me wei­ter­hin 6.000 € beträgt, denn es wird zwi­schen­zeit­lich nichts getilgt, lie­gen die Zin­sen in allen drei Jah­ren bei 180 €. Im Jahr 2 wird also eben­falls 180 € als Zins an die Bank bezahlt, im Jahr 3 dann 180 € an Zins und 6.000 € an Til­gung, also 6.180 € insgesamt. 

Man erhält also insgesamt

Zah­lun­gen0123
Kre­dit­aus­zah­lung+5.700 €
Zins­zah­lun­gen-180 €-180 €-180 €
Til­gungs­zah­lung-6.000 €
Zah­lungs­rei­he+5.700 €-180 €-180 €-6.180 €

b) Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten, han­dels­recht­lich mit dem Dis­agio umzugehen:

- man kann es akti­vie­ren – und zwar dann unter den akti­vi­schen Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten (hier ARAP genannt) (§ 250 III 1 HGB), 

- man lässt die Akti­vie­rung sein (§ 250 III 1 HGB Umkehrschluss). 

LAMBERT-METHODE:

Wenn man das Dis­agio akti­viert, muss man es über die Lauf­zeit als Zins­auf­wand verteilen.

Wenn man hin­ge­gen die Akti­vie­rung sein lässt, wird das Dis­agio viel­mehr in der Anfangs­pe­ri­ode voll als Zins­auf­wand angesetzt.

Ins­ge­samt, also auf die Total­pe­ri­ode betrach­tet, ist die Dis­agio­ver­rech­nung als Auf­wand stets gleich. Nur bezo­gen auf die ein­zel­nen Peri­oden erge­ben sich also Unter­schie­de zwi­schen den bei­den Varianten. 

Wenn man das Dis­agio akti­viert, so lau­tet der Buchungs­satz in der Anfangs­pe­ri­ode 0 also

Gut­ha­ben bei Kre­dit­in­sti­tu­ten 5.700 €

ARAP 300 € an Ver­bind­lich­kei­ten gegen Kre­dit­in­sti­tu­ten 6.000 €

In den Peri­oden 1 und 2 bucht man dann, weil der ARAP auf­ge­löst wird, 

Zins­auf­wand 100 € an ARAP 100 €

und natür­lich für den “gewöhn­li­chen” Zinsaufwand

Zins­auf­wand 180 € an Gut­ha­ben bei Kre­dit­in­sti­tu­ten 180 €

In der Peri­ode 3 schließ­lich wird der Kre­dit in einer Sum­me zurück­be­zahlt, man bucht dann 

Zins­auf­wand 100 € an ARAP 100 €

Ver­bind­lich­kei­ten ggb. Kre­dit­in­sti­tu­ten 6.000 €

Zins­auf­wand 180 € an Gut­ha­ben bei Kre­dit­in­sti­tu­ten 6.180 €

Wenn man hin­ge­gen das Dis­agio nicht akti­viert und also das Akti­vie­rungs­wahl­recht des § 250 III 1 HGB nicht aus­nutzt, so wird der Betrag des Dis­agi­os direkt am Anfang, also in der Peri­ode 0, kom­plett als Auf­wand ver­rech­net und nicht etwa über die Lauf­zeit erst als Auf­wen­dung bemessen.

Der Buchungs­satz in der Peri­ode 0 lau­tet damit

Zins­auf­wand 300 €

Gut­ha­ben bei Kre­dit­in­sti­tu­ten 5.700 € an   Ver­bind­lich­kei­ten ggb. Kre­dit­in­sti­tu­ten 6.000 €

In den Peri­oden 1 und 2 wird nur der gewöhn­li­che Zins­auf­wand als sol­cher ange­setzt, eine Abschrei­bung des Dis­agi­os fin­det nicht statt, weil es ja anfäng­lich gar nicht in der Bilanz ange­setzt wur­de, son­dern als Auf­wand in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Der Buchungs­satz lau­tet des­halb jeweils

Zins­auf­wand 180 € an Gut­ha­ben bei Kre­dit­in­sti­tu­ten 180 €

In der Peri­ode 3 wie­der­um ist der Buchungs­satz bzgl. der Rück­zah­lung des Kre­dits iden­tisch zum Fall von oben, nämlich

Ver­bind­lich­kei­ten ggü. Kre­dit­in­sti­tu­ten 6.000 €

Zins­auf­wand 180 € an Gut­ha­ben bei Kre­dit­in­sti­tu­ten 6.180 €

LAMBERT-METHODE:

Wenn der Kre­dit nicht end­fäl­lig getilgt wird, son­dern ratier­lich, also line­ar, so erfolgt steu­er­recht­lich eine Ver­tei­lung des Dis­agi­os mit der Zins­staf­fel­me­tho­de über die ein­zel­nen Jah­re. Dies wer­den wir im Rah­men des Online­kur­ses zu Steu­er­bi­lan­zen näher durchgehen.

Wich­tig ist wei­ter­hin, dass bei (mit­tel­gro­ßen und gro­ßen) Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten) ein akti­vier­tes Dis­agio geson­dert unter den akti­vi­schen Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten aus­ge­wie­sen wird (§ 268 VI HGB). Das akti­vier­te Dis­agio darf also nicht etwa mit den rest­li­chen Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten gemein­sam aus­ge­wie­sen wer­den, son­dern muss als Ein­zel­po­si­ti­on bei den akti­ven Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten erscheinen.

Aller­dings sind spe­zi­ell die klei­nen Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten hier­von wie­der­um aus­ge­nom­men (§ 274a Nr. 3 HGB). Die­se wie­der­um dür­fen also sehr wohl ein akti­vier­tes Dis­agio unter den akti­vi­schen Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten aus­wei­sen, ohne dies geson­dert zu tun.